Sechs Lieder für gemischten Chor , opus 184

by Edwin Schultz (1827 - 1907)

Heft 2 print " -- "; 5. Käferlied [sung text not yet checked]

Der Frühling ruft: Heraus!
Die Käfer fliegen aus,
Sie fliegen in die Weite,
Ein Liebchen an der Seite,
Und summen,
Und brummen! 

Da wär ich auch dabei,
Ein Käfer flink und frei,
In frischen Frühlingslüften,
In süßen Maiendüften,
Zu summen,
Zu brummen! 

Und wird dem Käfer flau,
So trinkt er kühlen Thau,
Hat überall zu zehren,
Und keiner darf ihm wehren
Zu summen,
Zu brummen. 

Und ist's ihm hier nicht recht,
Wird anderswo gezecht,
Jedwedes Blatt ein Zeichen
Im Wirtshaus sonder gleichen,
Zu summen,
Zu brummen. 

So auch nach Käfer Art,
Wir halten unsre Fahrt,
Wir loben uns ein Liebchen,
Und was im Oberstübchen,
Und summen,
Und brummen.

Werd' ich geheimer Rath,
Ich sag's dem König grad,
Das Volk will Freiheit üben,
Bei voller Becher lieben,
Und brummen,
Ja brummen. 

Authorship:

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Confirmed with Neue Berliner Monatschrift für Philosophie, Literatur und Kunst, Berlin: bei Ernst Heinrich Georg Christiani, 1821. Fünftes Heft, pages 386 - 387.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

Heft 2 print " -- "; 6. Der Abend [sung text not yet checked]

Der Abend sinkt, in [dunkeln]1 Nebelschleiern 
Ruht still die Welt, vom Mondenschein bestrahlt, 
Das glüh'nde Abendroth beginnt zu feiern 
Den Dank an Gott, wenn es die Berge malt. 
Die Wolken schweben nieder 
Und freudig tönen Lieder 
Dem Schöpfer, der im Himmel wacht: 
Gute Nacht! 

Noch Ein Mal taucht aus seinen Meereswellen 
Der Fisch im Abendsonnenglanz empor; 
Froh läßt der Schiffer seine Segel schwellen; 
Hell tritt Ein Sternchen nach dem andern vor;
Da werden heil'ge Chöre 
Zum Dank, zu Preis und Ehre 
Dem ew'gen Weltengott gebracht: 
Gute Nacht!  

Von Müh und Sorgen kehrt nach seiner Hütte 
Der Vater in den frohen Kreis zurück; 
Der Schmerz verstummt in seiner Kinder Mitte, 
Und keine Freude fehlt an seinem Glück. 
Da blickt er zu den Sternen 
In unermessnen Fernen 
Und ruft empor zur heil'gen Pracht: 
Gute Nacht! 

In bunten Farben lieblich strahlend blühen, 
Vom Thau beperlt, die Blumen an dem Bach; 
Die Sonne blickt mit ihrem letzten Glühen 
Beim Scheiden dem Vergissmeinnicht noch nach. 
Die Blümlein alle schauen 
Von ihren grünen Auen 
Still flüsternd auf zur dunkeln Nacht: 
Gute Nacht! 

Wenn nun dereinst sich meine Lebensstunden 
Dem Ziele nähern, das ich lang' erstrebt, 
Wenn ich dann feurig den Beruf empfunden, 
Der mächtig in dem Herzen mir gelebt: 
Dann ruf ich noch beim Scheiden, 
Wenn dumpf die Glocken läuten, 
Herauf aus meinem dunkeln Schacht: 
Gute Nacht! 

Authorship:

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Confirmed with Knospen: Gedichte von C. O. Sternau, zweite stark vermehrte Auflage, Magdeburg: Emil Baensch, 1844, pages 29 - 30.

1 Schultz: "dunklen"; further changes may exist not shown above.

Researcher for this text: Melanie Trumbull