Grüne Bäume, kühle Schatten, In den Wäldern, auf den Matten, Seid dem Wandrer immer hold! Wollt an seine Straß' euch stellen, Flüsternd euch zu ihm gesellen In des Mittags schwüler Gluth! Hat das Stadtthor mich empfangen, Such' ich wieder mit Verlangen Nach dem ersten grünen Baum, Der mit seinen frischen Zweigen Mir den rechten Weg will zeigen Zu dem kühlen Labewein. Euch begrüß' ich auch, ihr Linden, Mag euch gern auf Märkten finden, Dicht und kugelrund belaubt. In des Abends Feierstunde Führt mich die gewohnte Runde Immer zu den Bäumen hin. Vöglein in den Wipfeln singen, Und die Funkenwürmchen schwingen Ihre Lichter in dem Grün; Unten wollen sich ergehen, Die im Dunkel sich verstehen Besser als im Sonnenschein. Heim in meines Mädchens Garten Grünen Bäume vieler Arten, Doch vor allen preis' ich dich, Baum, in dessen glatten Rinden Unsre Namen sind zu finden Und ein flammend Herz darum. Haben oft dabei gesessen Und des Scheidens gar vergessen, Meinend, daß wir wären eins, Wenn wir so in eins verschlungen, So von einem Brand durchdrungen Unsre beiden Namen sahn.
Sechs Lieder von Wilhelm Müller, vierstimmig gesetzt , opus 39
by Josef Panny (1794 - 1838)
Translations available for the entire opus: GER
1. Die Bäume
Language: German (Deutsch)
Text Authorship:
- by Wilhelm Müller (1794 - 1827), "Die Bäume", appears in Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten 2, in Wanderlieder
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Note: modern German spelling would change the following words: "Gluth" -> "Glut", "Stadtthor" -> "Stadttor", etc.
2. Die Arche Noah
Language: German (Deutsch)
Das Essen, nicht das Trinken, Bracht' uns um's Paradies. Was Adam einst verloren Durch seinen Apfelbiss, Das giebt der Wein uns wieder, Der Wein und frohe Lieder. Und als die Welt auf's Neue In Bauches Lust versank, Und in der Sünde Fluthen Die Kreatur ertrank, Blieb Noah doch am Leben, Der Pflanzer edler Reben, Und floh mit Weib und Kindern Wohl in sein größtes Faß, Das schwamm hoch auf den Fluthen, Und Keiner wurde naß. So hat der Wein die Frommen Dem Wassertod entnommen. Und als die Fluth zerronnen, Da blieb das runde Haus Auf einem Berge sitzen, Und alle stiegen aus, Begrüßten froh das Leben, Und pflanzten neue Reben. Das Faß blieb auf dem Berge Zum Angedenken stehn: Zu Heidelberg am Neckar Könnt ihr es selber sehn. Nun wißt ihr, wer die Reben Am Rhein uns hat gegeben. Und will noch Einer wagen, Den heil'gen Wein zu schmähn, Der soll in Wasserfluthen Erbärmlich untergehn! Stoßt an und singt, ihr Brüder: Der Wein und frohe Lieder!
Text Authorship:
- by Wilhelm Müller (1794 - 1827), "Die Arche Noäh", appears in Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten 2, in Tafellieder für Liedertafeln
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Note: modern German spelling would change "giebt" -> "gibt", "Fluthen" -> "Fluten", etc.
3. Die schönsten Töne
Language: German (Deutsch)
Von allen Tönen in der Welt Ist keiner, der mir baß gefällt, Als froher Gläser Klingen, Wenn einen Spruch, wie 's Herz ihn meint, Entgegenbringt der Freund dem Freund, Daß hoch die Tropfen springen. Auch hör' ich gern des Hammers Schlag, Der aus den Tonnen allgemach Den Spund weiß aufzutreiben. Und wenn der liebe klare Wein Rinnt plätschernd in die Flaschen ein, Der Klang ist zum Betäuben. Hoch springt mir gleich mein Herz empor, Hör' ich der Winzer Jubelchor Von einem Berge schallen, Verkündend gute Erntezeit, Verheißend Heil und Seligkeit Uns treuen Zechern allen. Wer's also meint, der stoße an, Und wer nicht mit mir singen kann, Sein Glas das wird doch klingen. Und wer den Becherklang nicht liebt, Und wer sich ohne Schmerz betrübt, Dem soll'n die Kauze singen!
Text Authorship:
- by Wilhelm Müller (1794 - 1827), "Die schönsten Töne", appears in Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten 2, in Tafellieder für Liedertafeln
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4. Liebesgedanken
Language: German (Deutsch)
Je höher die Glocke, Je heller der Klang: Je ferner das Mädchen, Je lieber der Gang. Der Frühling will kommen, O Frühling, meine Freud'! Nun mach' ich meine Schuhe Zum Wandern bereit. Wohlauf durch die Wälder, Wo die Nachtigall singt! Wohlauf durch die Berge, Wo's Gemsböcklein springt! Zwei schneeweiße Täubchen, Die fliegen voraus, Und setzen sich schnäbelnd Auf der Wirtin ihr Haus. Ei bist du schon munter, Und bist schon so blank? Gott grüss dich, schön's Dirnel! Ach, der Winter war lang! Zwei Augen wie Kirschkern', Die Zähne schneeweiß, Die Wangen wie Röslein Betracht' ich mit Fleiß. Ein Mieder von Scharlach, Ganz funkelnagelneu, Und unter dem Mieder Ein Herzlein so treu! Und ihr Lippen, ihr Lippen, Wie preis' ich denn euch? So wie ich will sprechen, So küßt ihr mich gleich! Ei Winter, ei Winter, Bist immer noch hier? So darf ich doch wandern In Gedanken zu ihr. Auf Siebenmeilenstiefeln Geht's flink von der Stell', Auf Liebesgedanken Geht's siebenmal so schnell.
Text Authorship:
- by Wilhelm Müller (1794 - 1827), "Liebesgedanken", appears in Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten 2, in Ländliche Lieder, first published 1822
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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- ENG English (Malcolm Wren) , "Thoughts of love", copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission
- GER German (Deutsch) , no title [an adaptation]
5. Warnung vor dem Wasser
Language: German (Deutsch)
Guckt nicht in Wasserquellen, Ihr lustigen Gesellen, Guckt lieber in den Wein! Das Wasser ist betrüglich, Die Quellen sind versieglich: Guckt lieber in den Wein! Narziss, der hat's erfahren In seinen schönsten Jahren: Er sah nicht in dem Wein, Nein, in dem Quell der Wildniß, Sein allerliebstes Bildniß: Guckt lieber in den Wein! Trink' ich aus vollem Glase, Da spiegelt meine Nase Sich lang und roth im Wein. Sie ist nicht zum Verlieben, Sie ist nicht zum Betrüben, Drum guck' ich in den Wein. Schon Mancher ist versunken, Noch Keiner ist ertrunken In einem Becher Wein. Die sich darin betrachten, Sie können nicht verschmachten, Drum guck' ich in den Wein. Ihr lustigen Gesellen, Guckt nicht in Wasserquellen, Guckt lieber in den Wein! Doch über euer Gucken Vergeßt auch nicht zu schlucken: Trinkt aus, trinkt aus den Wein!
Text Authorship:
- by Wilhelm Müller (1794 - 1827), "Warnung vor dem Wasser", appears in Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten 2, in Tafellieder für Liedertafeln, first published 1906
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6. Erlösung
Language: German (Deutsch)
Wie den Fische wird zu Mut', wenn des Flusses Rinde springt und des jungen Lebens Glut durch des Eises Decke dringt, also wie aus Kerkerqual fühlet meine Brust sich frei, wenn des Frühlings Sonnenstrahl reißt der Wolken Zelt entzwei. Und das Dach ist abgedeckt, das mich von dem Himmel schied, und das Aug' ist aufgeweckt, welches durch den Äther sieht.