Fünf Lieder für vierstimmigen Frauenchor oder Soli , opus 76

by Carl Isenmann (1839 - 1889)

1. Wald-Concert [sung text not yet checked]

Conzert ist heute angesagt
Im frischen, grünen Wald;
Die Musikanten stimmen schon,--
Hör', wie es lustig schallt!
   Das jubilirt
   Und musiziert,
   Das schmettert und das schallt!
   Das geigt und singt
   Und pfeift und klingt
   Im frischen grünen Wald!
 
Der Distelfink spielt keck vom Blatt
Die erste Violin;
Sein Vetter Buchfink neben an
Begleitet lustig ihn.
   Das jubilirt
   Und musiziert,
   Das schmettert und das schallt!
   Das geigt und singt
   Und pfeift und klingt
   Im frischen grünen Wald!
 
Frau Nachtigall, die Sängerin,
Die singt so hell und zart;
Und Monsieur Hänfling bläst dazu
Die Flöt' nach bester Art.
   Das jubilirt
   Und musiziert,
   Das schmettert und das schallt!
   Das geigt und singt
   Und pfeift und klingt
   Im frischen grünen Wald!
 
Die Drossel spielt die Clarinett,
Der Rab', der alte Mann,
Streicht den verstimmten Brummelbaß,
So gut er streichen kann.
   Das jubilirt
   Und musiziert,
   Das schmettert und das schallt!
   Das geigt und singt
   Und pfeift und klingt
   Im frischen grünen Wald!
 
Der Kuckuck schlägt die Trommel gut,
Die Lerche steigt empor
Und schmettert mit Trompetenklang
Voll Jubel in den Chor!
   Das jubilirt
   Und musiziert,
   Das schmettert und das schallt!
   Das geigt und singt
   Und pfeift und klingt
   Im frischen grünen Wald!
 
Musikdirector ist der Specht,
Er hat nicht Rast noch Ruh,
Schlägt mit dem Schnabel spitz und lang
Gar fein den Takt dazu.
   Das jubilirt
   Und musiziert,
   Das schmettert und das schallt!
   Das geigt und singt
   Und pfeift und klingt
   Im frischen grünen Wald!
 
Verwundert hören Has und Reh
Das Fiedeln und das Schrei'n,
Und Biene, Mück und Käferlein
Die stimmen surrend ein.
   Das jubilirt
   Und musiziert,
   Das schmettert und das schallt!
   Das geigt und singt
   Und pfeift und klingt
   Im frischen grünen Wald!

Authorship:

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Confirmed with Kinder-Lieder von G. Ch. Dieffenbach, Mainz: Verlag von C.G. Kunze, 1854, pages 42-43


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Das Thälchen der Heimath [sung text not yet checked]

Im Thälchen der Heimath, so wonnig und schön,
So traulich umschlossen von blumigen Höhn, 
Da säuseln die Lüfte erquickend und mild,
Da wandelt der Friede im strahlenden Bild.

Im Thälchen der Heimath, im duftigen Grün,
Wo Veilchen und Rosen und Lilien blühn,
Da ruhet sichs lieblich am kühlenden Bach,
Da rufet das Echo den Fröhlichen nach.

Im Thälchen der Heimath, im düsteren Hain,
So magisch umflossen vom Dämmerungschein,
Da tönet der Nachtigall Zaubergesang,
Da hebt sich die Seele im mächtigen Drang. 

Im Thälchen der Heimath, beim wechselnden Spiel,
Entsprossen der Jugend der Freude so viel,
Da trübet kein Kummer den heiteren Sinn,
Da eilet die Stunden geflügelt dahin.

Im Thälchen der Heimath, da weilt' ich so gern!
O trügen mich Schwingen aus neblicher Fern'
Zum reizenden Tempe noch einmal zurück,
Da wollt' ich umfassen das rosige Glück!

Im Thälchen der Heimath, da möcht' ich im Duft
Der blühenden Linde, in moosiger Grüft
Entschlummern, wenn einst mich der Abend begrüßt, 
Und sterbend das sehnende Auge sich schließt!

Authorship:

Confirmed with Neue Jugend-Zeitung [Volume 10], Leipzig: Im Verlage des Industrie-Comptoirs, 1819. Appears in no. 126, Montags, 25 Oktober 1819, page 1008.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

3. Schneeglöckchen [sung text not yet checked]

Ich kenn' ein Blümchen,
So einfach, so schön;
Wie Engel des Himmels
Im Lichtglanz zu sehn. 

Es hüllet bescheiden
In Demuth sich ein;
Es ist dieses Blümchen
Wie Unschuld so rein.

Noch trauert die Erde
In starrendem Eis;
Da hüllt sich das Zarte
In blendendes Weiß.

Doch ehe die Nachtigall                                                          
Singet ihr Lied,
Ist schon mein liebliches
Blümchen verblüht.

Es lächelt voll Wehmuth,   
Voll Mitleid mir zu;  
Dann winken die Sterne,
Es eilet zur Ruh'.

Ich liebe dich, Blümchen
Auf schneeiger Flur;
Dich, Bote [der bessern]1                                                         
Der höhern Natur.

O, wäre das Leben
Ein Bild nur von dir:
Dann wäre der [Friede 
Des Himmels] schon hier.

Authorship:

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Confirmed with Erster Führer durch den deutschen Dichterhain, ed. by K. F. W. Wander, Breslau: Wilhelm Gottlieb Korn, 1845, no. 652, page 319.

1 Maier, Silcher: "des Frühlings"
2 Maier: "himmlische/ Friede"

Researcher for this text: Melanie Trumbull

4. Dort sind wir her [sung text not yet checked]

Blümchen, du holdes, wie prangst du so schön!
Blümchen, woher?
"Engelein trugen mich von den Höh'n,
Fort wo leuchtet die Sonne so schön,
Dort bin ich her, dort bin ich her."

Fischlein du kleines, wie schimmerst du blau:
Fischlein, woher?
"Wirst du nicht müde zu fragen, o schau:
Fiel ja vom Himmel des Nachts mit dem Thau,
Dort bin ich her, dort bin ich her."

Vöglein du liebes, wie singst du so fein,
Vöglein, woher?
"Hab' es gelernt von den Engelein,
Singen im Himmel die Melodein,
Dort bin ich her, dort bin ich her."

Lüftchen du sanftes, wie wehst du so weich:
Lüftchen, woher?
"Wenn ich am Morgen vorüber schleich',
Kommen wir alle vom Himmelreich,
Dort sind wir her, dort sind wir her."

Authorship:

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English [singable] (Louis Charles Elson) , no title

Researcher for this text: Andrew Schneider [Guest Editor]

5. Gute Nacht! Allen Müden sei's gebracht [sung text not yet checked]

    Gute Nacht!
Allen Müden sei's gebracht.
Neigt der Tag sich still [zum]1 Ende,
Ruhen alle fleiß'gen Hände,
Bis der Morgen neu erwacht.
    Gute Nacht!

    Geht zur Ruh!
Schließt die müden Augen zu.
Stiller wird es auf den Straßen,
Und den Wächter hört man blasen,
Und die Nacht ruft allen zu:
    Geht zur Ruh!

    Schlummert süß!
Träumt euch euer Paradies.
Wem die Liebe raubt den Frieden,
Sei ein schöner Traum beschieden,
Als ob Liebchen ihn begrüß',
    Schlummert süß!

    Gute Nacht!
Schlummert, bis der Tag erwacht
Schlummert, bis der neue Morgen
Kommt mit seinen neuen Sorgen,
Ohne Furcht, der Vater wacht.
    Gute Nacht!

Authorship:

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Michael P Rosewall) , copyright © 2022, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Auswahl Deutscher Gedichte: Im Anschluss an die Geschichte der deutschen National-Literature von Professor Dr. Hermann Kluge, Zehnte, verbesserte und vermehrte Auflage, Altenburg, Druck und Verlag von Oskar Bonde, 1905, page 325.

1 Graben-Hoffmann: "zu"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , John Versmoren , Johann Winkler