Lenz liegt im Walde; warm und trocken Keimt sonnenhell der grüne Grund; Es klingt der Vöglein Liebeslocken, Es klingt des Bächleins heller Mund. Da zieh' ich schweifend durch's Gestäude, Dem Waldtier gleich, das wintergrau Im stummen Drang der Lebensfreude Zur Sonne kommt aus seinem Bau. Wie wohlig ist's, die Glieder strecken, Und wandern, und nicht wissen, wo? So schweif' ich hin, durch Steig und Hecken, Lautlos und ziellos, sonnenfroh!
Feldpfade. Sechs Lieder aus den Hochlands-Liedern von Stieler für 1 Singstimme mit Pianofortebegleitung, op. 7
Song Cycle by Julius Puricelli (b. c1848)
1. Frühlingswandern
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- by Karl Stieler (1842 - 1885), "Frühlingswandern", appears in Neue Hochlands-Lieder, in 2. Feldpfade
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Research team for this page: Emily Ezust [Administrator] , Johann Winkler2. Morgenluft
Duftiges Gewölk im Blauen, Gangsteig unterm Lindenhag - schwanke Halme, grüne Auen; sei gegrüßt, du Sommertag! Goldgelock und Frohmut bring' ich auf die Fahrt. Sonst ist nichts mein! Wie ein flatternd Vöglein sing' ich in den blauen Tag hinein. Und die ganze Welt daneben singt und sonnt sich, wie sie mag. Lauter Jugend, lauter Leben! Sei gegrüßt, du Sommertag! Die ihr nur der Weltnot denket, schaut die Schönheit dieser Welt! Was der Gang durchs Leben kränket, heilt ein Gang durch grünes Feld!
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- by Karl Stieler (1842 - 1885), "Morgenluft", appears in Neue Hochlands-Lieder, in 2. Feldpfade
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Researcher for this page: Johann Winkler3. Sonnenzauber
Im Holze girrt der wilde Tauber, und süßes Leben schwirrt und summt; mir aber ist im Sonnenzauber die frohe Seele fast verstummt. Denn wie ein Ahnen kommt's mir mitten in all' der heißen Lebensglut, wie unter diesen leichten Schritten so viel vom tiefsten Wunder ruht. Wir welken hin. Doch immer wieder erwacht dies Grün aus Schnee und Eis, und bricht die alte Linde nieder, steigt aus dem Stamm ein junges Reis. Und d'rüber rankt die wilde Rose; ein Blühen ohne Leid und Zeit - So liegt vor dir im Erdenschoße das Wunder aller Ewigkeit!
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- by Karl Stieler (1842 - 1885), "Sonnenzauber", appears in Neue Hochlands-Lieder, in 2. Feldpfade
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Confirmed with Neue Hochlands-Lieder von Karl Stieler, Stuttgart, 1881.
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4. Im Dickicht
Und immer einsam zieh' ich hin, Doch hat's mich nicht verdrossen; Denn wer im Walde wandern geht, Braucht keine Genossen. Es rauscht der Quell, es rauscht der Baum, Lichtstrahlen funkeln und weben: Und ich erleb' im halben Traum Das tiefste Leben. Denn was mir die rauschende Quelle sagt, Das sagt mir sonst nicht eine; Und so, wie die Frau Sonne küßt, So süß küßt keine!
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- by Karl Stieler (1842 - 1885), "Im Dickicht", appears in Neue Hochlands-Lieder, in 2. Feldpfade
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Blauschatten liegen auf dem Walde, Es war der Tag so sonnenschwül; Nun weht's um Flur und Hof und Heide So dämmerkühl. Lug' wie sich schon die Blumen bücken! Horch, wie der Drosselschlag verklingt; Ein Bursch, die Sense über'm Rücken, Zieht heim und singt. Und schweigend fließt durch alle Weiten Die große Ruhe der Natur. -- -- Die Herde zieht mit fernem Läuten Auf feuchter Flur. Da schwindet alles Leid hienieden, Mir wird die Seele frei und heil -- So hab' auch ich am Weltenfrieden Mein stilles Teil.
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- by Karl Stieler (1842 - 1885), "Abendruhe", appears in Neue Hochlands-Lieder, in 2. Feldpfade
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Confirmed with Bunte Blätter: eine Sammlung aus der Lyrik der neuesten Zeit von Georg Friedrich, Zweite Auflage, Stuttgart, E. Hänselmann's Verlag, 1888, page 43.
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6. Überlebend
Und wird mein Leben früh zunichte, ich trag' es, wie es Gott gefällt; ach, nur vom gold'nen Sonnenlichte scheid' ich so schwer, nicht von der Welt. Doch manchmal träumt's mir, scheu und leise, als blieb' ich doch im Sonnenstrahl: Es singt der Wanderer meine Weise, wenn er vom Hochland zieht zu Tal. Und Minneglanz im Angesichte spricht noch mein Wort die Bergmaid nach; so leb' ich doch - im Sonnenlichte! Und längst entschlafen bin ich wach.
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- by Karl Stieler (1842 - 1885), "Überlebend", appears in Neue Hochlands-Lieder, in 2. Feldpfade
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