Lieder des Todes, 2. Folge

by Philippine Schick (1893 - 1970)

Word count: 318

1. Der Wanderer an den Tod [sung text not yet checked]

Auch zu mir kommst du einmal,
Du vergißt mich nicht,
Und zu Ende ist die Qual
Und die Kette bricht.

Noch erscheinst du fremd und fern,
Lieber Bruder Tod.
Stehest als ein kühler Stern
Über meiner Not.

Aber einmal wirst du nah
Und voll Flammen sein --
Komm, Geliebter, ich bin da,
Nimm mich, ich bin dein.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Mort, ma sœur", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Il viandante alla Morte", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 251.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Tod Schnitter [sung text not yet checked]

Unter schweren Wolken, abschiedsbang,
Gehn mein Lieb und ich am Wald entlang:
Lautlos schreitet auf dem Weg zur Mahd
Hinter uns der Tod den dunklen Pfad.
Zu versuchen, ob die Sichel schneidet,
Trennt er im Vorbeigehen unsre Hände –
Gäbst du, bleicher Wandrer, der uns scheidet,
Statt des Glückes doch des Lebens Ende!

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3. Tod Fischer [sung text not yet checked]

Am Ufer sitzt der Tod als Fischersmann
Und wirft sein Netz hinaus, soweit er kann.
Entschlüpfen auch die Wellen erst, die raschen,
Er fängt sie bald in seinen eis'gen Maschen.
Dann schnallt er Schlittschuh an im Dämmerschein
Und gleitet spurlos drüberhin, allein.
Er nickt und winkt. Er fliegt im Kleid von Schnee
Wie eine Möve überm dunklen See.

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4. Tod Saemann [sung text not yet checked]

Durch ein wallend Korngefilde schreitend
Sah ich, wie ein Mann die Aehren mähte;
Aus der freien Linken aber gleitend,
Sah ich Körner, die er wieder säte.
Seltsam war ein Schnitter mir erschienen,
Der zugleich das Feld mit Samen segnet;
Da erkannt' ich seine ernsten Mienen:
Sieh, es war der Tod, dem ich begegnet.

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5. Über ein Grab hin [sung text not yet checked]

Je länger du dort bist,
Um so mehr bist du hier,
Je weiter du fort bist,
Um so näher bei mir.

Du wirst mir notwendiger,
Als das tägliche Brot ist, -
Du wirst lebendiger,
Je länger du tot bist.

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

6. Das Ziel [sung text checked 1 time]

Immer bin ich ohne Ziel gegangen,
Wollte nie zu einer Rast gelangen,
Meine Wege schienen ohne Ende. 

Endlich sah ich, daß ich nur im Kreise
Wanderte, und wurde müd der Reise. 
Jener Tag war meines Lebens Wende. 

Zögernd geh ich nun dem Ziel entgegen,
Denn ich weiß: auf allen meinen Wegen
Steht der Tod und bietet mir die Hände.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Vers le but", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 139.


Research team for this text: John Versmoren , Sharon Krebs [Guest Editor]