3 Mädchenlieder von E. Geibel

by Heinrich Esser (1818 - 1872)

Word count: 401

1. Lass schlafen mich und träumen [sung text not yet checked]

Laß schlafen mich und träumen,
Was hab' ich zu versäumen
In dieser Einsamkeit!
Der Reif bedeckt den Garten,
Mein Dasein ist ein Warten
Auf Liebe nur und Lenzeszeit.

Es kommt im Frühlingsglanze
Für jede kleine Pflanze
Einmal der Blütentag.
So wird der Tag auch kommen,
Da diesem Frost entnommen
Mein Herz in Wonnen blühen mag.

Doch bis mir das gegeben,
Däucht mir nur halb mein Leben,
Und kalt wie Winters Wehn;
Trüb schauert's in den Bäumen -
O laß mich [schlafen, träumen]1,
Bis Liebe mich heißt auferstehn!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Song of the maiden", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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1 Backer-Grøndahl: "schlafen und träumen"

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2. Kurt von Wyl [sung text not yet checked]

Das Mädchen spricht:
Gegangen war ich zum grünen Hag,
Da Mittag über den Wipfeln lag:
Das Harz troff aus der Fichte wund,
Die Schlange sonnte sich still am Grund.

Ich beugte mich über Sankt Albans Quell,
Der schoß aus dem Felsen frisch und hell,
Mit weißer Hand den Sprudel ich fing
Und netzte mir Stirn und Lockenring.

Und als ich trank die kühle Flut,
Urplötzlich wallte mir das Blut;
Der Vögel Gruß verstand ich bald,
Und was sie sangen im ganzen Wald.

Sie flogen und hüpften von Ast zu Ast
Und sangen nur eins ohne Ruh' und Rast,
Nur eines, das mir baß gefiel:
»Der schönste Mann ist Kurt von Wyl.«

O Klingen, o Singen so wundersam!
Nicht weiß ich, wie aus dem Wald ich kam;
Mein Trutz und Lachen ist all dahin,
Mir will das Lied nicht aus dem Sinn.

Ich hör' es, wenn ich die Spindel dreh',
Und wenn ich am Herd in die Flammen seh',
Im Glockenklang, im Reigenspiel:
»Der schönste Mann ist Kurt von Wyl.«

O Kurt von Wyl, und merkst du es nicht
An meinem glühenden Angesicht,
Und siehst du es nicht an den Augen mir an,
Daß ich weiß, was da singen die Vögel im Tann?

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3. Die Verlassene [sung text not yet checked]

O singt nur, ihr Schwestern, mit fröhlichem Mund
Und führet den Reigen im Lindengrund
Mit den Burschen bei Zithern und Geigen! -
Mich aber laßt gehn und schweigen!

Was blickt ihr mir nach, und was wollt ihr von mir?
Ich habe die Freude getragen wie ihr
In der Brust mit Lachen und Scherzen -
Nun trag' ich den Tod im Herzen.

Durch alle Wipfel der Lenzhauch geht,
Ich bin der Baum, der laublos steht;
Die Wasser rieseln so helle,
Ich bin die vertrocknete Quelle.

Die Treue, die Treue, darauf ich gebaut,
Sie ist mit dem Schnee vor der Sonne zertaut;
Wie Spreu vor dem Winde, so stiebet
Meine Liebe, die ich geliebet.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

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