Viel holde Jungfer Kanne, Was ist Sie für ein Schatz! Sie hat in meinem Herzen Den allerbesten Platz. Sie ist so rund vom Leibe, Sie ist so blank und rein, Ich wüßte nichts auf Erden, Was schöner könnte seyn. Ihr Inn'res erst, o Himmel! Wie ist das frisch und klar, Nur pure Lieb' und Milde Und echtes Gold fürwahr. Auch ist Sie gegen Alle So folgsam wie ein Kind, Nicht zänkisch oder brummig, Wie oft die Frauen sind. D'rum schwör' ich Ihr auch Treue In jeder Lust und Noth, Bis mich, o Jungfer Kanne, Von Ihr einst trennt der Tod. Nur muß Sie stets erglühen Für mich, wie jetzt Sie glüht, Noch darf je eine Leere Ihr kommen in's Gemüth. Und nun, herzliebe Kanne, Nichts mehr von Soll und Muß, Nun reiche Sie die Lippen Nur rasch mir dar zum Kuß.
Sechs Gesellschaftslieder aus den Blätter und Trauben von J. N. Vogl, erstes Heft
by Wilhelm Speyer (1790 - 1878)
1. Jungfrau Kanne
Text Authorship:
- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Jungfrau Kanne", appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise
See other settings of this text.
Research team for this page: Emily Ezust [Administrator] , Johann Winkler2. Lied für Männer
Bist du ein Mann, nun denn, wohlan, mögen auch Stürme dich grimmig umwettern, lass dich nicht schmachvoll von ihnen zerschmettern, zeig', dass auch kann ringen der Mann! Bist du ein Mann, nun denn, wohlan, musst dich der Zweifel für immer entwöhnen, darfst nicht dem Lächeln des Augenblicks frönen; dies ist, woran kennbar der Mann. Bist du ein Mann, nun denn, wohlan, streb' nicht nach nichtigem Prunken und Glänzen, lass du die weichlichen Buben scherwenzen; das, was getan, zeige den Mann. Bist du ein Mann, nun denn, wohlan, lass von den Armen der Lieb' dich umflechten, aber nicht sollen die Weiber dich knechten; zeig' dich auch dann wert als ein Mann. Bist du ein Mann, nun denn, wohlan, sei's auch in jeglichem Handeln und Wollen, lass du die Würfel des Weltgeschicks rollen; Huld oder Bann, sei nur ein Mann! Bist du ein Mann, nun denn, wohlan, zage nicht scheu vor dem Becher, dem herben, wisse, wenn's sein muss, auch männlich zu sterben, wo oder wann, sei nur ein Mann!
Text Authorship:
- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Lied für Männer", appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise
Go to the general single-text view
Researcher for this page: Johann Winkler3. Sahara
Sahara ist ein schlimmes Wort, Sahara ist ein schlimmer Ort; nicht eine Rebe siehst du dort. Sahara! Nur Sand und Sand und wieder Sand, und droben nichts als Sonnenbrand, das wär' mir so das rechte Land! Sahara! Kamel und Reiter schleppen sich darüber hin im Sonnenstich und schwitzen gottesjämmerlich. Sahara! Doch die Kamele macht's nicht bang, die dursten ganz unmenschlich lang' auf einem solchen Wüstengang. Sahara! Dies aber kommt, weil sie zu Haus' schon trinken auf ein Jahr voraus und vollen Schlauchs erst zieh'n hinaus. Sahara! Ein Wink sei das für Mensch und Vieh, d'rum frage keines: Wann und Wie, und säumt mir nur im Trinken nie! Sahara! Wer weiß, ob nicht so überquer uns plötzlich kommt ein Fleck daher, auf dem nicht eine Schenke mehr! Sahara! Und Schenkenbursche, höre du, ruf' ich das Wort, so schlepp im Nu nur gleich den größten Krug uns zu! Sahara!
Text Authorship:
- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Sahara", appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise
Go to the general single-text view
Confirmed with Blätter und Trauben von Johann N. Vogl, Wien, 1843.
Researcher for this page: Johann Winkler
4. Liebesgedanken beim Wein
Ich denke dein beim ersten Glas, die nie mein Herz bisher vergaß. Beim zweiten Glas doch frage ich: Gedenkst auch du noch jetzt an mich? Und trinke ich das dritte leer, so macht mein Herz die Sehnsucht schwer. Beim vierten Glas, da wünsch' ich stet: Wenn ich doch nur zwei Flügel hätt'! Und leer' ich gar das fünfte aus, da reißt's mich fast zum Dach hinaus. Doch seh' ich's ganz beim sechsten ein: Bei dir nur ist mein Glück allein!
Text Authorship:
- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Liebesgedanken beim Wein", appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise
Go to the general single-text view
Confirmed with Blätter und Trauben von Johann N. Vogl, Wien, 1843.
Researcher for this page: Johann Winkler
5. Wasser und Wein
Ich bin ein großer Hasser von Fluss- und Regenwasser, doch lieb' ich sehr den Wein. Beim Wein, da ist's behäglich, das Wasser macht nur kläglich, das sieht wohl jeder ein. Aus off'nen Himmelsschleusen tut Wasser sich ergeußen, damit uns wachs' der Wein, sost wär' es überflüssig und lief herum ganz müßig, das sieht wohl jeder ein. Einst trank ich nichts als Wasser, da wurd' ich immer blasser. Jetzt aber trink' ich Wein und glüh' so rot wie Zunder, d'rum ist auch Wein gesunder, das sieht wohl jeder ein. Das Wasser d'rum den Fischen! Uns aber zu erfrischen, uns gebt den besten Wein! Denn nicht für Hecht' und Lachsen, er ist für uns gewachsen, das sieht wohl jeder ein!
Text Authorship:
- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Wasser und Wein", appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise
Go to the general single-text view
Researcher for this page: Johann Winkler6. Tempora mutantur
Viel volle Becher klangen, Viel helle Stimmen sangen Vor uns in diesem Raum. Doch Sang und Klang verhallten, Verweht sind die Gestalten, Und Alles war ein Traum. Noch klingen Lied und Becher, Doch sitzen and're Zecher, Wir selbst, in diesem Raum Und lassen's uns behagen Nach gut und schlimmen Tagen, Doch alles ist ein Traum. Nicht lang', so füllen wieder Bei Becherklang und Lieder Ganz and're diesen Raum Und treiben, was wir trieben, Und singen, trinken, lieben, Bis Alles wieder Traum.
Text Authorship:
- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Tempora mutantur", appears in Die Poesie beim Weine
See other settings of this text.
Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2025, (re)printed on this website with kind permission