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Waldklänge. 6 Gedichte von Dr Emil Brämer, op. 4

by Ludwig Liebe (1819 - 1900)

1. Waldlied
 (Sung text)

Language: German (Deutsch) 
Liedchen, halle, Liedchen, schalle,
in melod'schem Fluge walle
durch das still verschwieg'ne Tal;
grüße mir's viel tausendmal!
Wie die zitternde Libelle
auf der leicht bewegten Welle
flatt're du, mein Waldgesang,
zu dem Baum am Felsenhang!

Flüst're leise, flüst're linde
meinem spät noch wachen Kinde
meiner Seele Seligkeit,
der Geliebte sei nicht weit.
Sage dann den nächt'gen Gründen,
keinem möchte sie verkünden,
dass wir zwei die laue Nacht
Herz an Herzen zugebracht.

Bäum' und Blumen, sollt nichts wissen
von dem Plaudern, von dem Küssen!
Gehet, Vöglein, geht zur Ruh',
Sternlein, drückt die Augen zu!
Weck uns, Lied der Philomelen,
aus dem Taumel trunk'ner Seelen,
aus der Liebe Träumerei'n
erst beim nächsten Morgenschein!

Text Authorship:

  • by Emil Brämer, Dr.

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Researcher for this page: Johann Winkler

2. Der Himmel im Walde
 (Sung text)

Language: German (Deutsch) 
Da droben auf dem Berge
verweilt' ich tief betrübt;
da streift mich eine Lerche
und fraget, was es gibt,

schwingt singend dann zum Walde
sich nieder in das Tal,
dass es gar wonnig schallte
im laubdurchwirkten Saal.

Der Wald, der grüßt aufs Beste,
kühlt meine wunde Brust
und schüttelt seine Äste
vor lauter Freud' und Lust:

„Du junges Blut, sei munter,
lass fahren jede Pein!
Vom Berge komm herunter
und kehre bei mir ein!

Du blickest so mit Sehnen
zum Himmel über dir;
ich trockne deine Tränen,
sollst finden ihn bei mir!“

Er langte mit den Zweigen
zum blauen Himmel hin,
tät' liebend ihn erreichen
und zu sich niederzieh'n.

Drauf schloss mit seinen Armen
er liebevoll mich ein;
nun musst' ich wohl erwarmen,
ich war im Himmel drein.

Text Authorship:

  • by Emil Brämer, Dr.

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3. Am Walde
 (Sung text)

Language: German (Deutsch) 
Am Walde steht ein Bronnen,
er sprudelt blau und klar;
am Walde leuchten Sonnen
aus einem Augenpaar.

Und wo das Brünnlein rauschet
und wo der Sonnen Schein,
am Walde heimlich lauschet
ein schlankes Mägdelein.

Möcht' mich zum Brünnlein neigen,
möcht' in die Sonnen seh'n,
am Walde: „Sei mein eigen!“
zum Mägdlein leise fleh'n.

Text Authorship:

  • by Emil Brämer, Dr.

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4. Waldwünsche
 (Sung text)

Language: German (Deutsch) 
In dem Walde möcht' ich leben,
in des Waldes Dämmerschein,
in dem Walde möcht' ich lieben,
glücklich nur im Walde sein!

Lernen möcht' ich heit're Lieder
von den Vögeln auf dem Baum,
auf der Schäferin Schalmeie
horchen an dem Waldessaum!

In dem Walde möcht' ich leben,
in des Waldes Dämmerschein,
in dem Walde möcht' ich lieben,
glücklich nur im Walde sein!

 ... 

Durch die Wiesen möcht' ich wandern,
rasten an dem Erlenbach,
schleichen auf des Waldes Pfaden
zu des Liebchens Schlafgemach.

In dem Walde möcht' ich leben,
in des Waldes Dämmerschein,
in dem Walde möcht' ich lieben,
glücklich nur im Walde sein!

 ... 

Unter Blumen möcht' ich küssen
ihres Halses Perlenschaum,
unter Nachtigallenflöten
träumen einen Göttertraum!

In dem Walde möcht' ich leben,
in des Waldes Dämmerschein,
in dem Walde möcht' ich lieben,
glücklich nur im Walde sein!

 ... 

Und ein Hüttchen müsst' sich wölben
in der Tannen dunkelm Grün,
und, so lang' die Tannen grünten,
auch der Liebe Glück uns blüh'n!

In dem Walde möcht' ich leben,
in des Waldes Dämmerschein,
in dem Walde möcht' ich lieben,
glücklich nur im Walde sein!

 ... 

Text Authorship:

  • by Emil Brämer, Dr.

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Note: the text above is taken from stanzas 1,2,1,3,1,4,1,6,1 of the original text.

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5. Waldesruf
 (Sung text)

Language: German (Deutsch) 
Aus den Bergen, aus den Klüften
schallt ein lauter Freudenhall,
aus den Wäldern, aus den Lüften
tönt ein  Singen überall.

In dem Walde steht geschrieben:
Frühling, Frühling ist genaht!
Und das Singen, Jauchzen, Lieben
wandert froh den freien Pfad.

Laue Luft aus lichten Höhen,
lust'ger, gold'ner Sonnenschein;
wirre Nebel von den Seen
streifen all' zum Wald hinein.

Drinnen klingt's wie Morgenglocken,
alle Wipfel steh'n verzückt,
und des Lenzes lieblich Locken
hat den Wald grün ausgeschmückt.

Süßes Rauschen, heil'ges Wehen,
frommer Wunder Aufenthalt;
lass mich dir ins Augen sehen,
sei gegrüßt, du schöner Wald!

Leise Stimmen fröhlich rufen:
Waldwärts, waldwärts lasst uns zieh'n!
Für das Herze sind dort Stufen
aufgebaut zum Himmel hin!

Schlage über mich zusammen,
Schattendom, so frisch und kalt,
kühl' des Busens wilkde Flammen,
nimm mich auf, du stiller Wald!

Text Authorship:

  • by Emil Brämer, Dr.

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6. Waldsehnsucht
 (Sung text)

Language: German (Deutsch) 
Blauer Himmel, laue Lüfte,
Waldesruhe, Waldestraum,
Waldesrauschen, Waldesdüfte,
all' die Wonnen fass' ich kaum!

Banges Hoffen, stilles Ahnen,
süßes Schauern, linder Schmerz,
leises Flüstern, leises Mahnen
ruft mich sehnend wälderwärts.

In dem Walde, auf den Matten,
in dem Grunde still und kühl,
in der Eichen dichtem Schatten
folget mir kein Weltgewühl.

Und das Jauchzen und das Schwirren
und das Sprossen und das Blüh'n
und das Kosen und das Girren
lässt den Busen heiß erglüh'n.

Durch das Dickicht will ich dringen,
durchs Gebirg 'ne Wand'rung tun,
mit den Vögeln will ich singen,
mit dem Wilde will ich ruh'n!

An dem Bache will ich lauschen,
lauschen auf der grünen Flur,
will zum Gotte mich berauschen
in den Wonnen der Natur!

Text Authorship:

  • by Emil Brämer, Dr.

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