Ich will dir singen ein Hohelied

Song Cycle by Rudi Stephan (1887 - 1915)

Word count: 282

1. Kythere [sung text checked 1 time]

Der Rosen Düfte liebeatmend
schwingen in weichen Wellen,
die wie Brüste beben, sich zu uns
über purpurblaue Meere.
Ganz ferne, feiner Äolsharfen klingen.

Die Barke, Liebster, lenk und lass uns streben
gen Aphrodites Inselreich: Kythere.

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Patherlied [sung text checked 1 time]

Geschmeidig und wild wie ein junger Panther
So hast du von mir Besitz ergriffen.
Ach, wie weich ist dein Sammetfell, du schöner Panther.
Ach, und die Sammettatzen, wie lieb sie streicheln!
Lass mich nie, nie deine Krallen spüren;
Neulich im Traum grubst du sie mir in's Herz!

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Abendfrieden [sung text checked 1 time]

Das Sonnenfeuer starb -- Rubingepränge --
Ganz leis verhalt des Ave letzter Ton;
Die Nebel wallen eine Prozession --
Wie Weihrauch schwebt es dunstig um die Hänge.
Und Friede weit --
Die Seele fleht für Dich ein stilles Nachtgebet.

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. In Nachbars Garten [sung text checked 1 time]

In Nachbars Garten duftet die Lindenblüte schwül,
Doch unter den wuchtigen Zweigen ist's dämmerlauschig kühl.
In Nachbars Garten schatten die Lindenzweige tief
als ob in den Blättern verborgen ein süß Geheimnis schlief.
In Nachbars Garten rauscht es im Lindenwipfel bewegt
Als ob in Sturmes Takte ein Herz am andern schlägt.
Heut' sah ich unter der Linde verschlungen zwei Liebende stehn'.
Weshalb nur in brennendem Schmerze die Augen mir übergehn' ?

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Glück zu Zweien [sung text checked 1 time]

Wir haben im Lärm der Menge
im Gleichempfinden geschwiegen;
Wir sind aus Tal und Enge
gemeinsam zu Gipfeln gestiegen.
An Felsengraten standen wir
jauchzend in göttliche Weiten.
Zwei Könige wir,
die fanden das Reich ihrer Einsamkeiten

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. Das Hohelied der Nacht [sung text checked 1 time]

Zwei Tage reichen sich die Hand -- der eine schied,
ein Flüstern raunt es durch die tiefe Stunde.
Es klingt einLied -- der Nacht ein Hohelied --
Ich sing es mit, -- Du küsst es mir vom Munde:
O hehre Nacht, tu auf dein Wunderland,
Lass alles Leiderinnern Ruhe finden.
Der Liebe Meer umrauscht ja Deinen Strand,
Drin alle Ströme meiner Sehnsucht münden.

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]