Fünf Lieder aus "Singuf" von Julius Wolff

Song Cycle by Alexander Julius Paul Dorn (1833 - 1901)

1. Röslein, wann blühst du auf? [sung text not yet checked]

Es wuchs an einem Rosenbaum
Ein Knösplein auf im Garten,
Und wer es sah, der konnte kaum
Der Rose Blühn erwarten.
Goldkäfer kam geflogen,
Schwirrt rund herum im Bogen:
Röslein, wann blühst du auf?

Früh Morgens blinkte heller Thau
Am Knöspelein, dem jungen,
Frau Nachtigall hielt Rosenschau,
Was nächtens aufgesprungen.
Sie saß in grünen Zweigen,
Sang zaubersüße Reigen:
Röslein, wann blühst du auf?

Kam auch ein blondes Mägdelein,
Sah nach dem Rosenkinde,
Ob sie's im warmen Sonnenschein
Noch nicht erschlossen finde.
Mit ihren rothen Lippen
Thät sie daran auch nippen:
Röslein, wann blühst du auf?

Den nächsten Tag mit treuem Sinn
Brach's ab ein Edelknabe
Und trug's dem lieben Mädchen hin
Als frische Morgengabe.
Röslein und der's genommen,
War'n beide da willkommen,
Röslein, wie blühst du auf!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Little rose, when will you bloom?", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Julius Wolff Singuf. Rattenfängerlieder, Zweite, unveränderte Auflage, Berlin: G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung, 1881, page 77.


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2. Rühr' mich nicht an [sung text not yet checked]

Bleib' mir vom Halse, Thunichtgut! 
Wir haben nichts zu theilen,
Ich möchte sonst den Übermuth
Mit bitterm Kraut dir heilen.
Scher' dich hindann! 
Rühr' mich nicht an! 

Dein Blick ist heiß, dein Herz ist kalt,
Dein Wort fährt auf dem Winde,
Dein Antlitz, deine Wohlgestalt
Sind nur der Falschheit Rinde.
Windschaffner Mann,
Rühr' mich nicht an! 

Du trägst dein Haupt wie einen Helm,
Dein Glück wie goldne Sporen,
Im Nacken aber sitzt der Schelm,
Hast's faustdick hinter n Ohren. 
Dir trau', wer kann, 
Rühr' mich nicht an! 

Nicht Morgen- und nicht Abendgruß
Will ich vom Herzensdiebe,
Der immer auf dem Wanderfuß, -- 
O wüßtest du von Liebe! 
Wie anders dann!
Rühr' mich nicht an!

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3. Frage  [sung text not yet checked]

Eine Rose gepflückt! sie duftete ja
So süß und hold mir entgegen;
Als ich die blühende Rose sah,
Mußt' ich ans Herz mir sie legen.
Ist das denn Sünde?

Einen Kuß mir geraubt! der schwellende Mund,
Er lächelte Freuden und Liebe,
Als thät' er des Lebens Weisheit kund,
Da ward ich an ihm zum Diebe.
Ist das denn Sünde?

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4. Ich glaub' es nicht  [sung text not yet checked]

Sie sagen, du hätt'st mich betrogen,
Sie wüßten es ganz genau, 
Hätt'st Liebe mir gelogen,
Nähmst niemals mich zur Frau.
Wie sie mich fragen und quälen
Und mir von dir erzählen, -- 
Ich glaub' es nicht.

Ich sollte mich nicht betrüben,
Wärst werth kein Herzeleid,
Im andern Kirchspiel drüben
Hätt'st du eine andere Maid.
Der hätt'st du dich versprochen
Und mir die Treu gebrochen, -- 
Ich glaub' es nicht.

Du gingest mit ihr zur Linde,
Du schlichest in ihr Haus,
Brächt'st ihr zum Angebinde
Den schönsten Blumenstrauß,
Und daß du bei ihr wachtest
Und mich mit ihr verlachtest, -- 
Ich glaub' es nicht.

Was sie mir geben zu hören,
Nicht wahr? ist Trug und Schein,
Ich wollte wohl auf dich schwören,
Du kannst nicht untreu sein. 
Erst will ich selber sehen
Dich zu der Andern gehen,
Eh' glaub' ich's nicht.

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5. Erhöre mich! [sung text not yet checked]

Erhöre mich! mir schlagt das Herz mit Bangen,
All meine Fröhlichkeit ist hin,
Ich weiß nicht, was du mit mir angefangen,
Daß ich nicht mehr mein eigen bin.
Ich will mein Leben für dich wagen,
Doch du mußt meine Liebe tragen,
Still in Gedanken schließ' sie ein,
Denn sie ist dein.

In meinen Arm! ich will dich heiß umschlingen
Und nahe dir ins Auge sehn,
In deine Brust soll meine Sehnsucht springen
Wie Sonnenschein und Frühlingswehn.
Ich will dich halten, will dich hegen,
Wie eine junge Rose pflegen,
Die mir mit purpurtiefer Gluth
Am Herzen ruht.

O schau' mich an, du Blüthe meiner Tage,
Du meiner Seele schwebend Lied!
Und wenn ich dich nach deiner Liebe frage,
Wirf Alles von dir, was uns schied.
Gieb mir die Seligkeit auf Erden,
Und selber sollst du selig werden,
Bis zu den Sternen heb' ich dich,
Erhöre mich!

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