Sechs Lieder aus dem Minnesang "Tannhäuser" von Julius Wolff

Song Cycle by Ferdinand Sieber (1822 - 1895)

1. Fischlein gut in der Fluth [sung text not yet checked]

Fischlein gut
In der Fluth,
Hätt' es fast gefangen,
Aber schnell
Wie die Well'
Ist's davon gegangen.

Vöglein braun,
Das im Zaun
Hin und wider hüpfet,
Auf dem Nest
Hielt ich's fest,
Ist mir doch entschlüpfet.

Mägdelein,
Auf zwei Bein
Hab' ich dich erhaschet,
Kommst nicht los,
Straf' ist groß,
Denn du hast gepaschet.
Nahmst im Scherz
Mir mein Herz,
Und das ist nichts Kleines,
Schaff' es schnell
Mir zur Stell
Oder gieb mir deines!

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2. Zwergkönig Luarin [sung text not yet checked]

Im Rosengarten Zwergkönig sitzt,
Die Rosen blühen viel holde,
Sein Schwert blinkt hell, seine Krone blitzt,
Sein Panzer funkelt von Golde.
Er lugt nach den Bergen, er lauscht auf den Wind,
Der sagt ihm, wo artige Kindlein sind,
  Luarin!
Luarin legt Nein auf Nein und denkt
Was er den Kindern im Schlafe schenkt,
  Luarin! Luarin!

Zwergkönig hat einen rothen Bart,
Er reitet auf schuppigem Drachen,
Er saust durch die Wolken auf feuriger Fahrt,
Man hört in den Lüften sein Lachen.
Doch wie sein Garten ist nichts ihm lieb,
Und wehe, o wehe dem Rosendieb!
  Luarin!
Luarin, horch' auf, mein Kind schläft ein,
Bring' ihm ein thaufrisch Röselein,
  Luarin! Luarin!

Es weht von den Bergen wie Rosenduft,
Schlaf' aus, lieb Kind, in der Wiegen,
Gezogen, geflogen kommt durch die Luft
Zwergkönig und sieht Dich liegen.
Er wirft Dir zwei knofpende Rosen hin,
Die heißen Gesundheit und froher Sinn,
  Luarin!
Luarin, o komme nur spät und früh,
Daß unser Kind wie ein Röslein blüh,
  Luarin! Luarin!

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3. Liebes Magedin [sung text not yet checked]

Boten sendet aus der Mai,
Ob wir's nicht vergaßen,
Ladet uns zum Ringelrei,
Ruft in alle Straßen.
Spielmann setzt die Geig' ans Kinn,
Horche, liebes Magedin!

Lege dich an meine Brust,
Will schon lest dich halten,
Bei der Jungen Lieb' und Lust
Freuen sich die Alten.
Leichter Fuß hat leichten Sinn,
Springe, liebes Magedin!

Einen Kuß auch, Mündel roth,
Darfst du nicht versagen,
Wirst um kleine Herzensnoth
Mich nicht gleich verklagen.
Gieb ihn her und nimm ihn hin.
Lache, liebes Magedin!

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4. Der Lenz ist gekommen [sung text not yet checked]

Der Lenz ist gekommen 
Ins harrende Land
Hat um sich genommen 
Sein Blumengewand,
Es schallt von den Zweigen
Der Vögel Gesang,
Nach Trauern und Schweigen
Ein grüßender Klang.
Da regt sich ein Sehnen, da blühet die Lust,
Heraus, du mein Lied, aus der klopfenden Brust! 

Es dränget zur Ferne,
Was frei und geschwind,
Es wandern die Sterne
Und Wasser und Wind.
Es wallen und weben
Die Wolken im Raum, -- 
Mit ihnen zu schweben,
Mein seligster Traum.
Ihr greifet den Blitz nicht am schmetternden Schaft.
Mich haltet ihr auch nicht in Fessel und Haft.

Ich habe getragen 
Den heimlichen Schmerz,
Nicht länger in Klagen
Vertröst' ich mein Herz.
Den Speer will ich schwingen 
Auf schnaubendem Pferd
Und singen und klingen 
Soll Harfe und Schwert.
Ich fahre wie Sturm, der die Eiche zerspellt,
Hinaus in die Freiheit, hinaus in die Welt!

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Julius Wolff, Tannhäuser. Ein Minnesang, Erster Band, Berlin: G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung, 1887, pages 92-93.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Merke Vögelein, mein Sorgen [sung text not yet checked]

Merke, Vögelein, mein Sorgen,
Heimlich sei es dir vertraut,
Wo ein sehnend Leid verborgen,
Wird zum Trost der Klage Laut.

Flatterst frei um meine Zelle,
Meldest mir des Maien Gruß,
Weißt es, über diese Schwelle
Setzt nicht Sälde ihren Fuß.

Raste nicht am Fenster länger,
Zwitschre deinen Brüdern vor,
Daß hier ein verstrickter Sänger
Seinen hohen Muth verlor.

Sage ihnen, daß viel gerne
Ich wie ihr die Welt durchflog'
Und mit euch in alle Ferne
Ueber Berg und Meere zog'.

Bringe treulich Botschaft wieder
Aus dem Walde mir zurück,
Seine Ruh und eure Lieder
Sind Genade mir und Glück. 

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6. Herr Hiltigrim ist, wie er geht und steht [sung text not yet checked]

Herr Hiltigrim ist, wie er geht und steht,
Die Krone der Küchenmeister,
Wie Keiner, wo immer ein Spieß sich dreht,
Beherrscht er die Bratengeister.
Dafür genudelt und gespickt
Ist er mit Sorgen und Plagen,
Daß er die Tafel recht beschickt,
Sonst geht es ihm an den Kragen.
Doch mundet, was er buk und briet,
Heil! hochversippter Suppenschmied,
  Herr Hiltigrim von Grauscharen!

Er quirlt herum dem Herde nah,
Den Kochen rauchen die Köpfe,
Er kostet hier und kostet da
Und guckt in alle Töpfe.
Doch wenn die Tischtrompete schallt,
So kommt er aus den Küchen
Mit seiner Schaar, umdampft, umwallt
Von köstlichen Gerüchen.
Was aber auch die Tafel trägt,
Die beste Klinge selber schlägt
  Herr Hiltigrim von Grauscharen.

Er hat ein Bäuchlein wie ein Lurch
Und nelkenrothe Ohren,
Da scheint die liebe Sonne durch
Von hinten und von voren. 
Er hat ein freundlich Doppelkinn
Von angenehmem Schwunge,
Er hat den allerscharfsten Sinn
In seiner feinen Zunge.
Man sieht, wenn er die Lippen leckt,
Daß es bis in die Zeh' ihm schmeckt,
  Herr Hiltigrim don Grauscharen.

Er ist wie eine Tonne schlank,
Umreist von Schwertes Fessel,
Sein Kürbiskopf ist glatt und blaut
Gescheuert wie ein Kessel.
Er ist ein Held von Kopf zu Fuß,
Ein Mann an seinem Platze,
Reicht Jedem gern zu Druck und Gruß
Die kleine, dicke Tatze.
Heil, Herr! schafft uns ein gut Gericht,
Versalzt uns auch die Suppe nicht,
  Herr Hiltigrim von Grauscharen! 

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