In der Zechstube. Fünf heitere Gesänge für 4 Männerstimmen

Song Cycle by Joseph (Gabriel) Rheinberger (1839 - 1901)

Word count: 763

1. Der Jonas kehrt im Walfisch ein [sung text not yet checked]

Der Jonas kehrt' im Wallfisch ein: 
Das muß ein sauber Wirthshaus sein!
Salzwasser giebt es da statt Wein, 
Dabei soll Einer singen! 
Der "goldne Karpfen" ist mein Fisch,
Da ist allzeit gedeckt der Tisch,
Rein ist der Wein, das Bier ist frisch,
Der Fisch soll mich verschlingen!

Der Jonas saß im Wallfisch; ja! 
Kein Tanzplatz und kein Mädel da,
Von Fischbein Alles, was er sah,
Langweilig war's im Ganzen! 
Da lob ich mir den "schwarzen Bär"! 
Von Fischbein keine Spur umher, 
Doch läßt der Bär die Kreuz und quer
In seinem Bauche tanzen.

Im Wallfisch, wo der Jonas war,
Stockmäuschenstill das ganze Jahr! 
Solch Wasserfisch, das ist doch klar,
Muß allzeit stille schweigen.
Ei Sapperment, dem "weißen Schwan"
Dem hört ihr meilenweit schon an,
Was man Plaisir drin haben kann
An Sang und Flöt' und Geigen.

Der Jonas ein Prophete war,
Darum er denn auch offenbar 
Logiren konnt' ohn' viel Gefahr
In solchem Wasserschanke.
Jedweder gehe seine Bahn;
Ich tanz' im "Bär", ich sing' im "Schwan", 
Im "Karpfen" stoß' ich lustig an.
Im Wallfisch -- ? -- -- -- Nein, ich danke!

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2. Schmetterling, wie freu ich mich [sung text checked 1 time]

Schmetterling, [wie]1 freu ich mich:
wir zwei beide, du und ich,
morgens immer gleich zur Schenke.
Wird dir flau,
trinkst du Tau!
Ei, das ist ein schön Getränke!
Doch den Tau, ich muss dir sagen,
kann mein Magen nicht vertragen.
Nein, nein!
der verträgt nur Wein.

Trabe, Rösslein, immer zu,
wir zwei beide, ich und du,
mittags nur zuerst zur Schenke.
Wird dir schwül,
trink dich kühl;
Wasser ist ein schön Getränke!
Bin ein Mensch und trink nicht Wasser,
würde nur davon noch blasser.
Nein, nein!
Sieh, ich trinke Wein!

Liebster Schatz, nun lass mich gehn;
Abend ist's, auf Wiedersehn!
Weißt ja, wie ich dein gedenke!
Wird dir weh,
trinke Tee;
Tee, das ist ein schön Getränke;
doch ich weiß nicht, die Chinesen
sind mir stets fatal gewesen.
Nein, nein!
Lasst mich fort zum Wein!

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1 Arenson, Berger: "was"; further changes may exist not shown above.

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3. Bau-Regel [sung text not yet checked]

Einer
 So Jemand baut ein neues Haus 
 Und baut zuerst den Söller,
 Da kommt niemals ein Sinn heraus,
 Zuerst bau' er den Keller! 

Chor
 Stoßt an! Zuerst den Keller! 

Einer
 Und wer zuerst ein Mädel freit 
 Und denkt zu trinken künftig,
 Der hat es oft gar schwer bereut,
 Der war im Bau nicht zünftig.

Chor
 Stoßt an, denn wir sind zünftig! 

Einer
 Doch habt ihr erst im Keller Wein,
 Da macht euch keine Sorgen: 
 Die Liebe kommt von selbst herein,
 Wenn heute nicht, doch morgen.

Chor
 Stoßt an! Fort mit den Sorgen! 

Einer
 Der Keller erst, das Dach hernach! 
 Das ist ein gut Gezimmer.
 Im Keller Wein, und Lieb' im Dach 
 Und Lieb' und Wein für immer! 

Chor
 Und Lieb' und Wein für immer! 

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Confirmed with Lieder von Robert Reinick, Sechste Auflage, Berlin, Verlag von Ernst und Korn, 1873, pages 279-280.


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4. Mucker und Schlucker [sung text checked 1 time]

Ein Trinker darf kein Mucker sein,
kein Kriecher und kein Ducker sein.
Der Wein erschließt die volle Brust,
im Wein ist lauter Lieb und Lust,
im Wein der Wahrheit Wonne.
Zum Kuckuck mit der Muckerei,
der Kriecherei und Duckerei;
am Himmel steht die Sonne.

Und wer in Wein tut Zucker ein,
das muss ein armer Schlucker sein.
Ja, Schlucker sind wir, aber reich,
wir schlucken Wein, mit ihm zugleich
das reine Gold der Sonne.
Zum Kuckuck mit der Muckerei,
der Duckerei und Zuckerei,
wir wollen reine Sonne.

Und wollt ihr weise Schlucker sein,
müsst ihr auch Sternengucker sein,
strahlt doch in jeden Tropfen Wein
die ganze Lust der Welt hinein,
und Stern und Mond und Sonne!
Zum Kuckuck mit der Muckerei,
der Duckerei und Zuckerei,
hoch alle weise Schluckerei,
hoch unsre Sternenguckerei!
Am Himmel steht die Sonne!

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5. Lob des Seeweins [sung text checked 1 time]

Was soll den wackern Zecher laben
nach Tagesmüh zu neuem Mut?
Von allen edlen Himmelsgaben
bleibt stets der Wein das höchste Gut.

Das Bier wird schlimm und immer schlimmer,
für Grog sagt man dem Teufel Dank,
der Punsch ist für die Frauenzimmer,
der Wein, das ist der Männer Trank.

Den Wein der alten Schwabengaue,
den Seewein trinkt ein rechter Mann;
vor Zeiten liebte man das Rauhe
und lachte kühn ob Acht und Bann!

Was tranken wohl die alten Schwyzer,
als Sempachs Schlacht so heiß begann?
Sie tranken keinen süßen Spritzer,
sie tranken Seewein wie ein Mann.

Der Rheinwein hat zwar Goldjuwelen,
doch quillt dabei manch falsche Perl,
auch rinnt er nur in reiche Kehlen,
den Seewein trinkt ein rechter Kerl.

Ein Bischof hat den Wein der Franken
gesetzt zu einem Liebesmahl;
er ist das Labsal aller Kranken,
ist Medizin im Hospital.

Nur zarten Seelchen dünket sauer,
was tief im Seewein gärt und schafft,
und dessen Herz hat keine Dauer,
der nicht verträgt solch herbe Kraft.

Drum hebt die Becher, lasst sie klirren,
stoßet an, stoßet dreimal an,
nach Cyprer mag mein Täubchen girren,
doch Seewein trinkt ein braver Mann!

Authorship

Research team for this text: Bertram Kottmann , Johann Winkler