Die Sommernächte. Sechs Gesänge für 1 Singstimme mit Orchester

Song Cycle by Hector Berlioz (1803 - 1869)

Word count: 790

1. Ländliches Lied [sung text checked 1 time]

Wenn im Lenz milde Lüfte wehen,
Wenn es grün wird im Waldrevier
Lass, o Lieb, Arm in Arm uns gehen,
Duft'ge Maiblumen pflücken wir;
Wo uns Perlen von Tau umringen,
Die der Tag jedem Halm beschied,
Soll uns die Amsel fröhlich singen,
Ihr Lied.

Maienzeit ist die Zeit der Wonne,
Ist der Liebenden gold'ne Zeit.
Vöglein, flatternd im Strahl der Sonne,
Singen Lieder voll Seligkeit;
O komm! Ruhe am kühlen Orte,
Lass uns plaudern von Lieb' zuzwei'n,
Und sage mir die süßen Worte:
"Bin dein!"

Fern zum Forst lenken wir die Schritte,
Wo das weidende Reh erschrickt,
Und der Hirsch, der in Waldes Mitte
Stolz im Quell sein Geweih erblickt;
Dann, wenn reich uns der Tag beglücket,
Heimwärts kehren wir beide bald
Mit Beeren, die wir frisch gepflücket
Im Wald.

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2. Der Geist der Rose [sung text checked 1 time]

Blick auf, die du in Traumes Schoße 
die seid'ne Wimper niederschlugst,
blick auf, ich bin der Geist der Rose,
die auf dem Ball du gestern trugst.
Kaum gepflückt hast du mich empfangen,
von Perlen noch des Tau's bekränzt,
und des Nachts bei Festesprangen
hab an deiner Brust ich geglänzt.

O du, die schuld an meinem Lose,
die mir Tod gegeben hat,
allnächtlich kommt der Geist der Rose,
tanzet um deine Lagerstatt;
doch sei nicht bang daß Ruh mir fehle,
daß Totenmessen mein Begehr;
dieser Dufthauch ist mein Seele,
und aus Eden komm' ich her.

Süß war, wie mein Leben, mein Scheiden,
für solch ein Los ist Tod Gewinn,
manch Herz mag mein Geschick beneiden,
an deinem Busen starb ich hin,
und auf mein Grab schrieb mit Liebgekose
eines Dichtermundes herz-inniger Kuß:
Hier ruht eine Rose,
die jeder König neiden muß.

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3. Auf den Lagunen [sung text checked 1 time]

Mir ist mein Lieb gestorben,
Tränen nur blieben mir;
All mein Glück ist verdorben,
Es starb mein Herz mit ihr.
Schön'rem Stern, licht'rem Strahle
Zog ihre Seele zu,
Und der Engel der Ruh'
Ließ mich im Erdentale.
Welch' unendliches Weh!
Ach! Ohne Lieb' auf der wogenden See!

Kalt, bleich sind ihre Wangen,
Und ihr Herz schlägt nicht mehr;
Schwarz, von Nacht rings umfangen,
Scheint mir die Welt umher.
Die vereinsamte Taube
weinet, weint mit klagendem Hauch;
Mein Herz, es weinet auch,
Sein Alles liegt im Staube.
Welch' unendliches Weh!
Ach! Ohne Lieb' auf der wogenden See!

Schwarz weht vom Himmel nieder
Der Wolken Trauerflor;
Dem Klange meiner Lieder
Lauscht kein sterbliches Ohr.
Ach, wie schön sie gewesen,
Nie tut ein Lied es kund!
Tod hat den schönsten Mund
Sich zum Kusse erlesen.
Welch' unendliches Weh!
Ach! Ohne Lieb' auf der wogenden See!
Ohne Lieb' auf der See!

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4. Trennung [sung text checked 1 time]

Oh kehr' zurück, du meine Wonne!
Der Blume gleich in dunkler Nacht
Entbehrt meine Seele die Sonne,
Wenn dein roter Mund mir nicht lacht.

Warum so weit von meinem Herzen,
Und so weit, ach, von meinem Kuß!
Oh herbes Leid, Oh Trennungsschmerzen,
Oh welche Pein ich haben muss!

Von hier bis dort wie viele Felder,
Wie viel Städte an Bach und Fluss,
Wie viele Höh'n, wie viele Wälder,
Ach! ermüden meines Rosses Fuß!

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5. Auf dem Friedhofe [sung text checked 1 time]

Kennst du das Grab mit weissem Steine,
d'ran die Cypresse sich erhebt,
und leise bebt?
Von dem Baum im Abendscheine
singt ein Vöglein den Grabgesang,
seufzend und bang.

Sie tönt zart und trüb, diese Weise
dringt voll Lust und voll bott'rem Schmerz
tief in dein Herz,
bannet dich fest in Zauberkreise;
solch Lied trägt wohl zum Himmelstor
Engel empor.

[Dann gesellt in des Grabes Tiefe
weinend die Seele dem Vögelein
sich im Verein]1,
klagt, daß sie hier vergessen schliefe,
daß keine Zähre ihr auf's Grab
rinnet herab.

[Auf den]2 Flügeln bebender Töne
[aufstiegt mit erzitterndem Schwung
Erinnerung]3
Vor dir schwebt in himmlischer Schöne,
leuchtend in schanken Strahles Licht,
ein Traumgesicht.

Nachtschatten die kaum halb erschlossen,
füllen rings umher lind die Luft
mit süßem Duft,
und das Phantom, strahlenumflossen,
singt leis breitend den Arm nach dir:
Komme zu mir!

Oh! nimmermehr geh ich zum Grabe,
wenn sich nahet die Abendzeit,
im dunklen Kleid,
seit dem Lied gelauschet ich habe,
das von der Cypresse erklang
so trüb und bang!

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1 in another version: "Und mich dünkt, dass die Seele erwacht,/ Zum Lied des Vögleins einstimmet bang/ mit traur'gem Sang"
2 in another version: "Und auf"
3 in another version: "Aufsteigt der Erinnerung Bild,/ So hold und mild."

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6. Das unbekannte Land [sung text checked 1 time]

Sag', wohin willst du gehen,
Mein liebliches Kind?
Du siehst flattern und wehen
Die Segel dort im Wind.

Ruder von Elfenbein blitzen
Flordecken auf den Sitzen,
Von Gold das Steuer gut;
Ballast ist Apfelsine,
Segel Flügel der Biene,
Den Dienst ein Elfe tut.

Sag', wohin willst du gehen,
Mein liebliches Kind?
Du siehst flattern und wehen
Die Segel dort im Wind.

Willst die Fluten des blauen
Stillen Meeres du schauen,
Nach Java komm' mit mir!
Trägst du an Norweg's Küste
Nach Honigtau Gelüste,
Pflück' ich Schneeblumen dir.

Sag', wohin willst du gehen,
O mein liebliches Kind?

"Führe mich", sprach die Holde,
Auf dem Nachen von Golde
"An der Treue Gestad."
Flögst du gleich den Winden,
Wirst das Land nimmer finden,
Suchst vergebens den Pfad.

Sage, wohin mein Kind?
Das Segel weht im Wind.

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