German (Deutsch) translations of Drei Lieder, opus posth. 115
by Franz Peter Schubert (1797 - 1828)
Ins Grüne, ins Grüne! Da lockt uns der Frühling der liebliche Knabe, Und führt uns am blumenumwundenen Stabe, Hinaus, wo die Lerchen und Amseln so wach, In Wälder, auf Felder, auf Hügel, zum Bach, Ins Grüne, ins Grüne. Im Grünen, im Grünen! Da lebt es sich wonnig, da wandeln wir gerne, Und heften die Augen dahin schon von ferne; Und wie wir so wandeln mit heiterer Brust, Umwallet uns immer die kindliche Lust, Im Grünen, im Grünen. Im Grünen, im Grünen, Da ruht man so wohl, empfindet so schönes, Und denket behaglich an Dieses und Jenes, Und zaubert von hinnen, ach! was uns bedrückt, Und alles herbey, was den Busen entzückt, Im Grünen, im Grünen. Im Grünen, im Grünen, Da werden die Sterne so klar, die die Weisen Der Vorwelt zur Leitung des Lebens uns preisen. Da streichen die Wölkchen so zart uns dahin, Da heitern die Herzen, da klärt sich der Sinn, Im Grünen, im Grünen. Im Grünen, im Grünen, Da wurde manch Plänchen auf Flügeln getragen, Die Zukunft der grämlichen Aussicht entschlagen. Da stärkt sich das Auge, da labt sich der Blick, Sanft wiegen die Wünsche sich hin und zurück, Im Grünen, im Grünen. Im Grünen, im Grünen, Am Morgen, am Abend, in traulicher Stille, Entkeimet manch Liedchen und manche Idylle Und Hymen oft kränzt den poetischen Scherz, Denn leicht ist die Lockung, empfänglich das Herz Im Grünen, im Grünen. Ins Grüne, ins Grüne! Laßt heiter uns folgen dem freundlichen Knaben! Grünt einst uns das Leben nicht fürder, so haben Wir klüglich die grünende Zeit nicht versäumt, Und, wann es gegolten, doch glücklich geträumt, Im Grünen, im Grünen.
Text Authorship:
- by Johann Anton Friedrich Reil (1773 - 1843), "Das Lied im Grünen", written 1827, first published 1827
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Note: Schubert received Reil's poem in manuscript form four months before it was printed. Schubert's manuscript is now in the possession of Stanford University, California. The first printed edition of the song (Leidesdorf, June 1829) and subsequent publications have several textual modifications and include an additional stanza (following stanza 6) not known to Schubert, which might have been provided by Reil:
O gerne im Grünen Bin ich schon als Knabe und Jüngling gewesen, Und habe gelernt, und geschrieben, gelesen, Im Horaz und Plato, dann Wieland und Kant, Und glühenden Herzens mich selig genannt, Im Grünen, im Grünen.The first edition further included three stanzas bei Reil "als Traueropfer dem Verklärten vom Dichter nachgeweiht und der Melodie unterlegt":
Dem Schläfer im Grünen. O Schubert! Im Grünen Hat öfter dies Liedchen dich Heitern erquicket; Uns aber, wo je du gesungen, entzücket. Ha! nimmer vergißt sich der Geist, das Gemüth, Das deinen Akkorden und Liedern entglüht, Die nimmer vergrünen. Dein Lied, auch im Grünen Am grünlichen Quelle der Musen entsprungen, Wird oft noch im Grünen von Frohen gesungen; Was göttlich durch dich Polyhymnia sprach, Das singet die Nachwelt und Mitwelt dir nach, Mag's schneien, mag's grünen. Ach leider! das Grüne Hält selbst nun den lieblichen Sänger umfangen, Doch steigen die Lorbeern im herrlichen Prangen. Aus seinen Gesängen, die ewig uns grün, Wird opfernd das Blümchen: Erinnerung blühn.
Trocknet nicht, trocknet nicht, Thränen der ewigen Liebe! Ach! nur dem halbgetrockneten Auge Wie öde, wie todt die Welt ihm erscheint! Trocknet nicht, trocknet nicht, Thränen unglücklicher Liebe!
Text Authorship:
- by Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832), "Wonne der Wehmuth", written 1775, first published 1789
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Laß dich mit gelinden Schlägen
Rühren, meine zarte Laute!
Da die Nacht hernieder thaute,
Müssen wir Gelispel pflegen.
Wie sich deine Töne regen,
Wie sie athmen, klagen, stöhnen,
Wallt das Herz zu meiner Schönen,
Bringt ihr aus der Seele Tiefen
Alle Schmerzen, welche schliefen;
Liebe denkt in süßen Tönen.
...
Text Authorship:
- by August Wilhelm Schlegel (1767 - 1845), "Die Sprache der Liebe", subtitle: "Zweyte Weise", written 1802, first published 1803
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Note: the text above is taken from stanza 1 of the original text.
Note: the text was first published in Friedrich Schlegel's Europa as the third of four variations on the following theme by Ludwig Tieck:
Liebe denkt in süßen Tönen, Denn Gedanken stehn zu fern, Nur in Tönen mag sie gern Alles, was sie will, verschönen.These four lines constitute in each of the variations the final line of each stanza, respectively. Variation I and Variation IV are in fact not Schlegel's (they are from Frau B*) and have not been included in Schlegel's collected works, while variations II and III have been provided there with the subtitles Erste Weise and Zweyte Weise.