German (Deutsch) translations of Sieben Gedichte aus dem 'Neuen Frühling' von Heinrich Heine, opus 46
by Johann Vesque von Püttlingen (1803 - 1883)
Unter'm weißen Baume sitzend, Hörst du fern die Winde schrillen, Siehst wie oben stumme Wolken Sich in Nebeldecken hüllen; Siehst, wie unten ausgestorben Wald und Flur, wie kahl geschoren; -- Um dich Winter, in dir Winter, Und dein Herz ist eingefroren. Plötzlich fallen auf dich nieder Weiße flocken, und verdrossen, Meinst du schon mit Schneegestöber Hab' der Baum dich übergossen. Doch es ist kein Schneegestöber, Merkst es bald mit freud'gem Schrecken; Duft'ge Frühlingsblüten sind es, Die dich necken und bedecken. Welch ein schauersüßer Zauber! Winter wandelt sich in Maie, Schnee verwandelt sich in Blüten, Und dein Herz es liebt aufs Neue.
Text Authorship:
- by Heinrich Heine (1797 - 1856), no title, appears in Neue Gedichte, in Neuer Frühling, no. 1
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Ach, ich sehne mich nach Tränen, Liebestränen, [schmerzenmild]1, Und ich fürchte, dieses Sehnen Wird am Ende noch erfüllt. Ach, der Liebe süßes Elend Und der Liebe bittre Lust Schleicht sich wieder, himmlisch quälend, In die kaum genes'ne Brust.
Text Authorship:
- by Heinrich Heine (1797 - 1856), no title, appears in Neue Gedichte, in Neuer Frühling, no. 12
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View original text (without footnotes)1 Deprosse: "schmerzensmild"
Der Schmetterling ist in die [Rose]1 verliebt, Umflattert sie tausendmal, Ihn selber aber goldig [zart]2 Umflattert der [liebende Sonnenstrahl]3. [Jedoch]4, in wen ist die Rose verliebt? Das wüßt' ich gar [zu]5 gern. Ist es die singende Nachtigall? [Ist es]6 der schweigende Abendstern? Ich weiß nicht, in [wen]7 die [Rose]1 verliebt; Ich aber lieb' euch all: [Rose]8, Schmetterling, Sonnenstrahl, Abendstern und Nachtigall.
Text Authorship:
- by Heinrich Heine (1797 - 1856), no title, appears in Neue Gedichte, in Neuer Frühling, no. 7
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View original text (without footnotes)Confirmed with: Heinrich Heine’s sämtliche Werke in vier Bänden, herausgegeben von Otto F. Lachmann, Erster Band, Leipzig: Druck und Verlag von Philipp Reclam jun, [1887], page 241.
1 Goldschmidt: "Ros'"2 Stanford: "und zart"
3 Lang: "Sonnenstrahl"
4 Lang: "Doch"
5 Stanford: "so"
6 Lang: "oder"
7 Urspruch: "wen ist"
8 Lang: "O Rose"
Mit deinen blauen Augen Siehst du mich [lieblich]1 an, Da ward mir so träumend zu Sinne, Daß ich nicht sprechen kann. An deinen blauen Augen Gedenk' ich allerwärts: -- Ein Meer von blauen Gedanken Ergießt sich über mein Herz.
Text Authorship:
- by Heinrich Heine (1797 - 1856), no title, appears in Neue Gedichte, in Neuer Frühling, no. 18, first published 1830
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View original text (without footnotes)Confirmed with: Heinrich Heine’s sämtliche Werke in vier Bänden, herausgegeben von Otto F. Lachmann, Erster Band, Leipzig: Druck und Verlag von Philipp Reclam jun, [1887], page 245.
1 Würz: "freundlich"Es erklingen alle Bäume, Und es singen alle Nester - Wer ist der Kapellenmeister In dem grünen Waldorchester? Ist es dort der graue Kiebitz, Der beständig nickt so wichtig? Oder der Pedant, der dorten Immer kuckuckt, zeitmaßrichtig? Ist es jener Storch, der ernsthaft, Und als ob er dirigieret, Mit dem langen Streckbein klappert, Während alles musizieret? Nein, in meinem eignen Herzen Sitzt des Walds Kapellenmeister, Und ich fühl, wie er den Takt schlägt, Und ich glaube, Amor heißt er.
Text Authorship:
- by Heinrich Heine (1797 - 1856), no title, appears in Neue Gedichte, in Neuer Frühling, no. 8
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Es war ein alter König, sein Herz war schwer, sein [Haupt]1 war grau; der arme alte König, er nahm eine junge Frau. Es war ein [schöner]2 Page, blond war sein [Haupt]3, leicht war sein Sinn; er trug die [seid'ne]4 Schleppe der jungen Königin. Kennst du das alte Liedchen? Es klingt so süß, es klingt so trüb! Sie mußten beide sterben, sie hatten sich viel zu lieb.
Text Authorship:
- by Heinrich Heine (1797 - 1856), no title, written 1830, appears in Neue Gedichte, in Neuer Frühling, no. 29
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View original text (without footnotes)Confirmed with Neue Gedichte von H. Heine, Zweite Auflage, Hamburg, bei Hoffmann und Campe, 1844, page 28.
1 Diepenbrock: "Haar"2 Schnorr von Carolsfeld, Zemlinsky: "junger"
3 Wolfrum: "Haar"
4 Goldschmidt: "seidene"
Hab ich nicht dieselben Träume Schon geträumt von diesem Glücke? Warens nicht dieselben Bäume, Blumen, Küsse, Liebesblicke? Schien der Mond nicht durch die Blätter Unsrer Laube hier am Bache? Hielten nicht die Marmorgatter Vor dem Eingang stille Wache? Ach! ich weiß, wie sich verändern Diese allzuholden Träume, Wie mit kalten Schneegewändern Sich umhüllen Herz und Bäume; Wie wir selber dann erkühlen Und uns fliehen und vergessen, Wir, die jetzt so zärtlich fühlen, Herz an Herz so zärtlich pressen.
Text Authorship:
- by Heinrich Heine (1797 - 1856), no title, appears in Neue Gedichte, in Neuer Frühling, no. 27
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