LiederNet logo

CONTENTS

×
  • Home | Introduction
  • Composers (21,031)
  • Text Authors (21,086)
  • Go to a Random Text
  • What’s New
  • A Small Tour
  • FAQ & Links
  • Donors
  • DONATE

UTILITIES

  • Search Everything
  • Search by Surname
  • Search by Title or First Line
  • Search by Year
  • Search by Collection

CREDITS

  • Emily Ezust
  • Contributors (1,134)
  • Contact Information
  • Bibliography

  • Copyright Statement
  • Privacy Policy

Follow us on Facebook

[ Remove setting from List ]

Die Göttin

Set by Leonard J[ordan] Lehrman (b. 1949), "Die Göttin", op. 72 no. 10, published 1984 [ male voice and piano ], from Ein Wanderer durch Deutschland, nach Heines Wintermärchen (A Wanderer through DEUTSCHLAND after Heine's Wintermärchen), no. 10
 [sung text not yet checked]

Note: this setting is made up of several separate texts.


Als Republik war Hamburg nie
So groß wie Venedig und Florenz,
Doch Hamburg hat bessere Austern; man speist
Die besten im Keller von Lorenz.

Es war ein schöner Abend, als ich
Mich hinbegab mit Campen;
Wir wollten mit einander dort
In Rheinwein und Austern schlampampen.

Auch gute Gesellschaft fand ich dort,
Mit Freude sah ich wieder
Manch alten Genossen, z. B. Chaufepié,
Auch manche neue Brüder.

Da war der Wille, dessen Gesicht
Ein Stammbuch, worin mit Hieben
Die akademischen Feinde sich
Recht leserlich eingeschrieben.

Da war der Fucks, ein blinder Heid,
Und persönlicher Feind des Jehovah,
Glaubt nur an Hegel und etwa noch
An die Venus des Canova.

Mein Campe war Amphytrio
Und lächelte vor Wonne;
Sein Auge stralte Seligkeit,
Wie eine verklärte Madonne.

Ich aß und trank, mit gutem Ap'tit,
Und dachte in meinem Gemüthe:
"Der Campe ist wirklich ein großer Mann,
Ist aller Verleger Blüthe.

"Ein andrer Verleger hätte mich
Vielleicht verhungern lassen,
Der aber giebt mir zu trinken sogar;
Werde ihn niemals verlassen.

"Ich danke dem Schöpfer in der Höh',
Der diesen Saft der Reben
Erschuf, und zum Verleger mir
Den Julius Campe gegeben!

"Ich danke dem Schöpfer in der Höh',
Der, durch sein großes Werde,
Die Austern erschaffen in der See
Und den Rheinwein auf der Erde!

"Der auch Citronen wachsen ließ,
Die Austern zu bethauen -
Nun laß mich, Vater, diese Nacht
Das Essen gut verdauen!"

Der Rheinwein stimmt mich immer weich,
Und löst jedwedes Zerwürfniß
In meiner Brust, entzündet darinn
Der Menschenliebe Bedürfniß.

Es treibt mich aus dem Zimmer hinaus,
Ich muß in den Straßen schlendern;
Die Seele sucht eine Seele und späh't
Nach zärtlich weißen Gewändern.

In solchen Momenten zerfließe ich fast
Vor Wehmuth und vor Sehnen;
Die Katzen scheinen mir alle grau,
Die Weiber alle Helenen. - - -

Und als ich auf die Drehbahn kam,
Da sah ich im Mondenschimmer
Ein hehres Weib, ein wunderbar
Hochbusiges Frauenzimmer.

Ihr Antlitz war rund und kerngesund,
Die Augen wie blaue Turkoasen,
Die Wangen wie Rosen, wie Kirschen der Mund,
Auch etwas röthlich die Nase.

Ihr Haupt bedeckte eine Mütz'
Von weißem gesteiftem Linnen,
Gefältelt wie eine Mauerkron',
Mit Thürmchen und zackigen Zinnen.

Sie trug eine weiße Tunika,
Bis an die Waden reichend.
Und welche Waden! Das Fußgestell
Zwey dorischen Säulen gleichend.

Die weltlichste Natürlichkeit
Konnt man in den Zügen lesen;
Doch das übermenschliche Hintertheil
Verrieth ein höheres Wesen.

Sie trat zu mir heran und sprach:
"Willkommen an der Elbe,
Nach dreyzehnjähr'ger Abwesenheit -
Ich sehe du bist noch derselbe!

"Du suchst die schönen Seelen vielleicht,
Die dir so oft begegen't
Und mit dir geschwärmt die Nacht hindurch,
In dieser schönen Gegend.

"Das Leben verschlang sie, das Ungethüm,
Die hundertköpfige Hyder';
Du findest nicht die alte Zeit
Und die Zeitgenössinnen wieder!

"Du findest die holden Blumen nicht mehr,
Die das junge Herz vergöttert;
Hier blühten sie - jetzt sind sie verwelkt,
Und der Sturm hat sie entblättert.

"Verwelkt, entblättert, zertreten sogar
Von rohen Schicksalsfüßen -
Mein Freund, das ist auf Erden das Loos
Von allem Schönen und Süßen!"

Wer bist du? - rief ich - du schaust mich an
Wie'n Traum aus alten Zeiten -
Wo wohnst du, großes Frauenbild?
Und darf ich dich begleiten?

Da lächelte das Weib und sprach:
"Du irrst dich, ich bin eine feine,
Anständ'ge, moralische Person;
Du irrst dich, ich bin nicht so Eine.

"Ich bin nicht so eine kleine Mamsell,
So eine welsche Lorettinn -
Denn wisse: ich bin Hammonia,
Hamburgs beschützende Göttinn!

"Du stutzest und erschreckst sogar,
Du sonst so muthiger Sänger!
Willst du mich noch begleiten jetzt?
Wohlan, so zög're nicht länger."

Ich aber lachte laut und rief:
Ich folge auf der Stelle -
Schreit' du voran, ich folge dir,
Und ging' es in die Hölle!

Text Authorship:

  • by Heinrich Heine (1797 - 1856), no title, appears in Deutschland. Ein Wintermärchen, no. 23

Go to the general single-text view

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Leonard J[ordan] Lehrman) , stanza 15 [an adaptation]

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]



Die Göttin hat mir Thee gekocht
Und Rum hineingegossen;
Sie selber aber hat den Rum
Ganz ohne Thee genossen.

An meine Schulter lehnte sie
Ihr Haupt (die Mauerkrone,
Die Mütze, ward etwas zerknittert davon)
Und sie sprach mit sanftem Tone:

"Ich dachte manchmal mit Schrecken dran,
Daß du in dem sittenlosen
Paris so ganz ohne Aufsicht lebst,
Bei jenen frivolen Franzosen.

"Du schlenderst dort herum, und hast
Nicht mahl an deiner Seite
Einen treuen deutschen Verleger, der dich
Als Mentor warne und leite.

"Und die Verführung ist dort so groß,
Dort giebt es so viele Sylphiden,
Die ungesund, und gar zu leicht
Verliert man den Seelenfrieden.

"Geh' nicht zurück und bleib' bei uns;
Hier herrschen noch Zucht und Sitte,
Und manches stille Vergnügen blüht
Auch hier, in unserer Mitte.

"Bleib' bei uns in Deutschland, es wird dir hier
Jetzt besser als eh'mals munden;
Wir schreiten fort, du hast gewiß
Den Fortschritt selbst gefunden.

"Auch die Censur ist nicht mehr streng,
Hoffmann wird älter und milder,
Und streicht nicht mehr mit Jugendzorn
Dir deine Reisebilder.

"Du selbst bist älter und milder jetzt,
Wirst dich in manches schicken,
Und wirst sogar die Vergangenheit
In besserem Lichte erblicken.

"Ja, daß es uns früher so schrecklich ging,
In Deutschland, ist Uebertreibung;
Man konnte entrinnen der Knechtschaft, wie einst
In Rom, durch Selbstentleibung.

"Gedankenfreiheit genoß das Volk,
Sie war für die großen Massen,
Beschränkung traf nur die g'ringe Zahl
Derjen'gen, die drucken lassen.

"Gesetzlose Willkür herrschte nie,
Dem schlimmsten Demagogen
Ward niemals ohne Urtheilspruch
Die Staatskokarde entzogen.

"So übel war es in Deutschland nie,
Trotz aller Zeitbedrängniß -
Glaub' mir, verhungert ist nie ein Mensch
In einem deutschen Gefängniß.

"Es blühte in der Vergangenheit
So manche schöne Erscheinung
Des Glaubens und der Gemüthlichkeit;
Jetzt herrscht nur Zweifel, Verneinung.

"Die praktische äußere Freiheit wird einst
Das Ideal vertilgen,
Das wir im Busen getragen - es war
So rein wie der Traum der Liljen!

Auch unsre schöne Poesie
Erlischt, sie ist schon ein wenig
Erloschen; mit andern Königen stirbt
Auch Freiligraths Mohrenkönig.

"Der Enkel wird essen und trinken genug,
Doch nicht in beschaulicher Stille;
Es poltert heran ein Spektakelstück,
Zu Ende geht die Idylle.

"O, könntest du schweigen, ich würde dir
Das Buch des Schicksals entsiegeln,
Ich ließe dir spätere Zeiten seh'n
In meinen Zauberspiegeln.

"Was ich den sterblichen Menschen nie
Gezeigt, ich möcht' es dir zeigen:
Die Zukunft deines Vaterlands -
Doch ach! du kannst nicht schweigen!"

Mein Gott, o Göttin! - rief ich entzückt -
Das wäre mein größtes Vergnügen,
Laß mich das künftige Deutschland sehn -
Ich bin ein Mann und verschwiegen.

Ich will dir schwören jeden Eid,
Den du nur magst begehren,
Mein Schweigen zu verbürgen dir -
Sag an, wie soll ich schwören?

Doch jene erwiederte: "Schwöre mir
In Vater Abrahams Weise,
Wie er Eliesern schwören ließ,
Als dieser sich gab auf die Reise.

"Heb' auf das Gewand und lege die Hand
Hier unten an meine Hüften,
Und schwöre mir Verschwiegenheit
In Reden und in Schriften!"

Ein feierlicher Moment! Ich war
Wie angeweht vom Hauche
Der Vorzeit, als ich schwur den Eid,
Nach uraltem Erzväterbrauche.

Ich hob das Gewand der Göttin auf,
Und legte an ihre Hüften
Die Hand, gelobend Verschwiegenheit
In Reden und in Schriften.

Text Authorship:

  • by Heinrich Heine (1797 - 1856), appears in Deutschland. Ein Wintermärchen, no. 25

Go to the general single-text view

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Leonard J[ordan] Lehrman) , no title, stanzas 1-2,6-7,13,11,18,20 [an adaptation]

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]


Author(s): Heinrich Heine (1797 - 1856)
Gentle Reminder

This website began in 1995 as a personal project by Emily Ezust, who has been working on it full-time without a salary since 2008. Our research has never had any government or institutional funding, so if you found the information here useful, please consider making a donation. Your help is greatly appreciated!
–Emily Ezust, Founder

Donate

We use cookies for internal analytics and to earn much-needed advertising revenue. (Did you know you can help support us by turning off ad-blockers?) To learn more, see our Privacy Policy. To learn how to opt out of cookies, please visit this site.

I acknowledge the use of cookies

Contact
Copyright
Privacy

Copyright © 2026 The LiederNet Archive

Site redesign by Shawn Thuris