by Eduard Mörike (1804 - 1875)
Tochter des Walds, du Lilienverwandte
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Language: German (Deutsch)
Tochter des Walds, du Lilienverwandte, So lang von mir gesuchte, unbekannte, Im fremden Kirchhof, öd' und winterlich, Zum erstenmal, o schöne, find' ich dich! Von welcher Hand gepflegt du hier erblühtest, Ich weiß es nicht, noch Wessen Grab du hütest; Ist es ein Jüngling, so geschah ihm Heil, Ist's eine Jungfrau, lieblich fiel ihr Theil. Im nächt'gen Hain, von Schneelicht überbreitet, Wo fromm das Reh an dir vorüber weidet, Bei der Kapelle, am krystall'nen Teich, Dort sucht' ich deiner Heimat Zauberreich. Schön bist du, Kind des Mondes, nicht der Sonne; Dir wäre tödtlich andrer Blumen Wonne, Dich nährt, den keuschen Leib voll Reif und Duft, Himmlischer Kälte balsamsüße Luft. In deines Busens goldner Fülle gründet Ein Wohlgeruch, der sich nur kaum verkündet; So duftete, berührt von Engelshand, Der benedeiten Mutter Brautgewand. Dich würden, mahnend an das heil'ge Leiden, Fünf Purpurtropfen schön und einzig kleiden: Doch kindlich zierst du, um die Weihnachtszeit, Lichtgrün mit einem Hauch dein weißes Kleid. Der Elfe, der in mitternächt'ger Stunde Zum Tanze geht im lichterhellen Grunde, Vor deiner mystischen Glorie steht er scheu Neugierig still von fern und huscht vorbei.
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View text with all available footnotesConfirmed with Gedichte von Eduard Mörike, Sechste Auflage, Stuttgart: J.G. Göschen'sche Verlagsbuchhandlung, 1876, pages 222-223.
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- by Eduard Mörike (1804 - 1875), no title, appears in Auf eine Christblume, no. 1 [author's text checked 1 time against a primary source]
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