by Johann Gabriel Seidl (1804 - 1875)
Am Fenster
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Language: German (Deutsch)
Ihr lieben Mauern, sanft und traut, Die ihr mich kühl umschließt, Und silberglänzig niederschaut, Wann droben Vollmond ist: Ihr saht mich einst so traurig da, Mein Haupt auf schlaffer Hand, - Als ich in mir allein mich sah, Und keiner mich verstand. Jetzt brach ein ander Licht heran: Die Trauerzeit ist um: Und manche ziehn mit mir die Bahn Durch's Lebensheiligthum. Sie raubt der Zufall ewig nie Aus meinem treuen Sinn: In tiefster Seele trag' ich sie, - Da reicht kein Zufall hin. Du Mauer wähnst mich trüb' wie einst Das ist die stille Freud'; Wenn du vom Mondlicht wiederscheinst, Wird mir die Brust so weit. An jedem Fenster wähn' ich dann Ein Freundeshaupt, gesenkt, Das auch so schaut zum Himmel an, Und auch so meiner denkt!
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Confirmed with Joh. Gabr. Seidl's Dichtungen. Zweiter Theil. Lieder der Nacht. [...] Von Johann Gabriel Seidl. Wien. Druck und Verlag von J. P. Sollinger. 1826, pages 5-6; with Lieder der Nacht. Von Johann Gabriel Seidl. Zweite, verbesserte und vermehrte Auflage. Wien, 1851. Druck und Verlag von J. P. Sollinger's Witwe, pages 10-11; and with Joh. Gabr. Seidl's gesammelte Schriften. Mit einer Einleitung von Julius von der Traun. Herausgegeben von Hans Max. Erster Band. [...] Wien, 1877. Wilhelm Braumüller k.k. Hof- und Universitätsbuchhändler, page 25.
Text Authorship:
- by Johann Gabriel Seidl (1804 - 1875), "Am Fenster", appears in Lieder der Nacht [author's text checked 1 time against a primary source]
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