by Johannes Martin Miller (1750 - 1814)
Es war einmal ein Gärtner
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Language: German (Deutsch)
Es war einmal ein Gärtner, Der sang ein traurigs Lied. Er that in seinem Garten Der Blumen fleißig warten, Und all sein Fleiß gerieth. Und all sein Fleiß gerieth. Er sang in trübem Muthe Viel liebe Tage lang. Von Thränen, die ihm flossen, Ward manche Pflanz begossen. Also der Gärtner sang! Also der Gärtner sang! "Das Leben ist mir traurig, Und gibt mir keine Freud! Hier schmacht' ich wie die Nelken, Die in der Sonne welken, In bangem Herzeleid," In bangem Herzeleid. "Ey du, mein Gärtnermädchen, Soll ich dich nimmer sehn? Du must in dunkeln Mauren Den schönen May vertrauren? Must ohne mich vergehn, Ach, ohne mich vergehn?" "Es freut mich keine Blume, Weil du die schönste bist. Ach, dürft ich deiner warten, Ich liesse meinen Garten, Sogleich zu dieser Frist, Sogleich zu dieser Frist!" "Seh' ich die Blumen sterben, Wünsch ich den Tod auch mir. Sie sterben ohne Regen, So sterb' ich deinetwegen. Ach wär' ich doch bey dir! Ach wär' ich doch bey dir!" "Du liebes Gärtnermädchen: Mein Leben welket ab. Darf ich nicht bald dich küssen, Und in den Arm dich schliessen, So grab' ich mir ein Grab. So grab' ich mir ein Grab."
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View text with all available footnotesConfirmed with Johann Martin Miller, Siegwart. Eine Klostergeschichte, Faksimiledruck nach der Ausgabe von 1776, mit einem Nachwort von Alain Faure, Zweiter Band, Stuttgart: J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, 1971, pages 1004-1005. Note: [sic] for the spelling "must" in stanza 4.
Text Authorship:
- by Johannes Martin Miller (1750 - 1814), no title, written 1775, appears in Siegwart. Eine Klostergeschichte [author's text checked 1 time against a primary source]
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Researcher for this page: Sharon Krebs [Senior Associate Editor]
This text was added to the website: 2009-02-03
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