by Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)
Ich hab' mein Sach auf Nichts gestellt
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Language: German (Deutsch)
Our translations: ENG
Ich hab' mein Sach auf Nichts gestellt.
Juchhe!
Drum ist's so wohl mir in der Welt.
Juchhe!
Und wer will mein Kamerade sein,
Der stoße mit an, der stimme mit ein,
Bei dieser Neige Wein.
Ich stellt' mein Sach auf Geld und Gut.
Juchhe!
Darüber verlor ich Freud' und Muth.
O weh!
Die Münze rollte hier und dort
Und hascht' ich sie an einem Ort,
Am andern war sie fort.
Auf Weiber stellt' ich nun mein Sach.
Juchhe!
Daher mir kam viel Ungemach.
O weh!
Die Falsche sucht' sich ein ander Theil,
Die Treue macht' mir Langeweil:
Die Beste war nicht feil.
Ich stellt' mein Sach auf Reis' und Fahrt.
Juchhe!
Und ließ meine Vaterlandesart.
O weh!
Und mir behagt' es nirgends recht,
Die Kost war fremd, das Bett war schlecht,
Niemand verstand mich recht.
Ich stellt' mein Sach auf Ruhm und Ehr'.
Juchhe!
Und sieh! gleich hatt' ein Andrer mehr.
O weh!
Wie ich mich hatt' hervorgethan,
Da sahen die Leute scheel mich an,
Hatte Keinem recht gethan.
Ich setzt' mein Sach auf Kampf und Krieg.
Juchhe!
Und uns gelang so mancher Sieg.
Juchhe!
Wir zogen in Feindes Land hinein,
Dem Freunde sollt's nicht viel besser seyn,
Und ich verlor ein Bein.
Nun hab' ich mein Sach auf Nichts gestellt.
Juchhe!
Und mein gehört die ganze Welt.
Juchhe!
Zu Ende geht nun Sang und Schmaus.
Nur trinkt mir alle Neigen aus;
Die letzte muß heraus!
R. Andersson sets stanza 1
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View text with all available footnotesConfirmed with Goethes Werke, herausgegeben im Auftrage der Grossherzogin Sophie von Sachsen, Erster Band, Weimar, Hermann Böhlau, 1887, pages 132-133.
Text Authorship:
- by Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832), "Vanitas! Vanitatum vanitas", written 1806 [author's text checked 2 times against a primary source]
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