by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866)
Die vierte Stimme See original
Language: German (Deutsch)
Es lebten einst vier Freunde, die liebten sich gar sehr; sollt' einmal einer fehlen, ging's wohl den andern schwer. Die hielten aneinander, wie's immer möchte sein, die sangen mit einander im lieblichsten Verein. Sie sangen schon seit Jahren, erfasst von innerem Drang, und manch ein Herz erquickte, erhob schon ihr Gesang. O weh', da kam den vieren eine böse Stund', denn einer ward entrissen für immer ihrem Bund. Den trugen sie zu Grabe mit Tränennass und Flor, und klagten, dass verloren für immer ihr Tenor. D'rauf schwiegen wohl gar lange die schwerbetrübten Drei, war doch die vierte Stimme nicht mehr wie sonst dabei. Doch als sich nun gemildert ihr Schmerz um den Verlust, und sie nun wieder sangen voll Wehmut in der Brust, da ward es einem Jeden, als töne wie zuvor des Vierten helle Stimme vernehmbar an das Ohr. Wohl starrten bleich und staunend die Drei einander an, allein es scholl die Stimme, sooft ihr Lied begann. Sie scholl, als wär' der Tote entstiegen seinem Bett, dass Jeder dacht', zu hören ihr früheres Quartett. Da sanken sich in die Arme die Drei ohne Wort; was recht zusammengeklungen, das klingt für immer fort.
Composition:
- Set to music by Wilhelm Speyer (1790 - 1878), "Die vierte Stimme", op. 63
Text Authorship:
- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Die vierte Stimme", appears in Balladen und Romanzen, neue Folge
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Researcher for this page: Johann Winkler
This text was added to the website: 2026-02-07
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