by Friedrich von Hardenberg (1772 - 1801), as Novalis

Bricht das matte Herz noch immer
Language: German (Deutsch) 
Bricht das matte Herz noch immer 
Unter fremdem Himmel nicht? 
Kommt der Hoffnung bleicher Schimmer
Immer mir noch zu Gesicht? 
Kann ich wohl noch Rückkehr wähnen? 
Stromweis stürzen meine Thränen,
Bis mein Herz in Kummer bricht. 

Könnt' ich dir die Myrthe zeigen
Und der Eider dunkles Haar! 
Führen dich zum frohen Reigen 
Der geschwisterlichen Schaar! 
Sähst du im gestickten Kleide,
Stolz im köstlichen Geschmeide,
Deine Freundin wie sie war.

Edle Jünglinge verneigen
Sich mit heißem Blick vor ihr;
Zärtliche Gesänge steigen 
Mit dem Abendstern zu mir. 
Dem Geliebten darf man trauen;
Ew'ge Lieb' und Treu den Frauen, 
Ist der Männer Losung hier.

Hier, wo um kristallne Quellen 
Liebend sich der Himmel legt,
Und mit heißen Balsamwellen
Um den Hayn zusammenschlägt,
Der in seinen Lustgebieten 
Unter Früchten, unter Blüthen
Tausend bunte Singer hegt. 

Fern sind jene Jugendträume! 
Abwärts liegt das Vaterland! 
Längst gefällt sind jene Bäume,
Und das alte Schloß verbrannt.
Fürchterlich, wie Meereswogen,
Kam ein rauhes Heer gezogen,
Und das Paradies verschwand.

Fürchterliche Gluthen flossen 
In die blaue Luft empor,
Und es drang auf stolzen Rossen
Eine wilde Schaar ins Thor.
Säbel klirrten, unsre Brüder,
Unser Vater kam nicht wieder,
Und man riß uns wild hervor.

Meine Augen wurden trübe;
Fernes mütterliches Land, 
Ach! sie bleiben dir voll Liebe 
Und voll Sehnsucht zugewandt! 
Wäre nicht dies Kind vorhanden,
Längst hätt' ich des Lebens Banden
Ausgelöst mit kühner Hand.

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Confirmed with Novalis Schriften, herausgegeben von Ludwig Tieck und Fr. Schlegel, Fünfte Auflage, Erster Theil, Berlin, Verlag von G. Reimer, 1837, pages 72-73.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set in a modified version by Luise Reichardt.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

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