Im fernen Westen weilest du
Language: German (Deutsch) 
Im fernen Westen weilest du,
Und ich im Osten fern,
Ich finde weder Rast noch Ruh',
Bei dir fänd' ich sie gern.
Wir haben einst gelacht, gescherzt,
In stiller Seligkeit,
Wir haben uns geküßt, geherzt,
Wohl war es schöne Zeit!

Viel Berge stehn, viel Flüsse gehn,
Viel Monde sind bis hin;
Doch über Zeiten, Länder, Seen
Steht nur nach dir mein Sinn.
Ach über Tag, ach über Nacht
Ist schwer um dich die Brust,
Von dir geträumt, an dich gedacht
Hab' ich in Leid und Lust.

Und alles mahnet mich an dich,
Der Wald, der Strom, die Au:
Du schaust mich an so wonniglich
Aus Blumen und aus Thau,
Du singst mich an im Vogelsang,
Du hauchst mich an in Duft;
Wir schwärmten ja viel Tage lang
In milder Frühlingsluft.

Zur Wolke und zum Vogel blick'
Ich in die Lüfte hin,
Und tausend Liebesgrüße schick'
Ich dir aus treuem Sinn.
Ach, immer denk' ich nur zurück
An ferne Seligkeit:
Mein Stern, mein Himmel und mein Glück!
Wohl war es schöne Zeit! 

About the headline (FAQ)

Confirmed with Dichtungen eines Rheinischen Poeten von Wolfgang Müller von Königswinter, Erster Band, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1871, page 28.


Authorship:

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

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