by Conrad Ferdinand Meyer (1825 - 1898)

In einer Sturmnacht
Language: German (Deutsch) 
Es fährt der Wind gewaltig durch die Nacht, 
In seine gellen Pfeifen bläst der Föhn. 
Prophetisch kämpft am Himmel eine Schlacht 
Und überschreit ein wimmernd Sterbgestöhn. 

Was jetzt dämonenhaft in Lüften zieht, 
Eh das Jahrhundert schiesst, erfüllts die Zeit - 
In Sturmespausen klingt das Friedelied 
Aus einer fernen, fernen Seligkeit. 

Die Ampel, die in leichten Ketten hangt, 
Hellt meiner Kammer weite Dämmerung. 
Und wann die Decke bebt, die Diele bangt, 
Bewegt sie leise sich in sachtem Schwung. 

Mir redet diese Flamme wunderbar 
Von einer windbewegten Ampel Licht, 
Die einst geglommen für ein nächtlich Paar, 
Ein greises und ein göttlich Angesicht. 

Es sprach der Friedestifter, den du weisst, 
In einer solchen wilden Nacht wie heut: 
"Hörst, Nikodeme, du den Schöpfer Geist, 
Der mächtig weht und seine Welt erneut?"

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: John Versmoren

This text was added to the website between May 1995 and September 2003.
Line count: 20
Word count: 127