Elegie auf eine Nachtigall
Language: German (Deutsch) 
Sie ist dahin, die Maienlieder tönte,
Die Sängerin,
Die durch ihr Lied den ganzen Hain verschönte,
Sie ist dahin.
Sie, deren Lied mir in die Seele hallte,
Wenn ich am Bach,
Der durchs Gebüsch, im Abendgolde, wallte,
Auf Blumen lag.

Sie schmelzete die Wipfel in Entzücken.
Der Wiederklang
Entfuhr dem Schlaf, auf blauer Berge Rücken,
Wenn ihr Gesang
Im Wipfel floß. Die ländlichen Schallmeien
Erklangen drein,
Es tanzeten die Elfen ihre Reihen
Darnach im Hain.

Dann lauschten oft die jugendlichen Bräute,
Auf einer Bank
Von Rasen, an des trauten Lieblings Seite,
Dem Zauberklang.
Sie drückten sich, bey jeder deiner Fugen,
Die Hand einmahl,
Und hörten nicht, wenn deine Schwestern schlugen,
O Nachtigall.

Sie lauschten, bis der Hall der Abendglocke
Im Dorfe schwieg,
Und Hesperus, mit silberfarbner Locke,
Dem Meer entstieg.
Und giengen dann, im Wehn der Abendkühle,
Dem Dörfchen zu,
Mit einer Brust voll zärtlicher Gefühle,
Voll süßer Ruh.

Confirmed with Ludwig Christoph Heinrich Hölty's Sämtliche Werke kritisch und chronologisch herausgegeben von Wilhelm Michael, Erster Band, Weimar, Gesellschaft der Bibliophilen, 1914, pages 32-33.

This is the original version of the poem from Hölty's manuscript. It has first been published in a heavily reworked version by Johann Heinrich Voß; see below.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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Set in a modified version by Moritz, Graf von Dietrichstein, August Harder, Franz Peter Schubert, Carl Schultz.


Researcher for this text: Peter Rastl [Guest Editor]

Text added to the website: 2017-05-27 00:00:00
Last modified: 2017-07-25 03:39:20
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