Die Täuschung
Language: German (Deutsch) 
Im Erlenbusch, im Tannenhain,
In Sonn- und Mond- und Sternenschein
Umlächelt mich ein Bildnis;
Ob dessen Lächeln klärt sich schnell
Die Dämmerung in Himmelhell,
In Paradies die Wildnis.

Es schimmert in der Abendluft,
Es flimmert in dem Morgenduft,
Es tanzet auf der Aue.
Es flötet in dem Wachtelschlag,
Und spiegelt sich im klaren Bach,
Und badet in dem Thaue.

Es naht in holder Traulichkeit
Sich mir in tiefster Dunkelheit
So schüchtern und so leise;
Es lullt mich wohl in sanfte Ruh,
Und haucht im Schlaf mir Träume zu
Von wundersüßer Weise.

Ich öfn' ihm sehnend meinen Arm,
Und streb' es traut und liebewarm
An meine Brust zu drücken.
Ich hasch' und hasche leere Luft,
Und nichtig, wie im Nebelduft,
Entschwimmt es meinen Blicken.

Wer bist du, holdes Luftgebild,
Das engelhold und engelmild
Mit Schmerz und Lust mich tränket?
Bist du ein Bothe beßrer Welt,
Der mich aus diesem öden Feld
Fern in die Heimat winket?

Fleuch, fleuch voran! Ich folge dir.
Bey dir ist Seligkeit, nicht hier!
Sprich, wo ich dich erfasse,
Und ewig dicht an dich geschmiegt,
Und ewig fest an dich gefügt,
Dich nimmer, nimmer lasse!

Confirmed with Kosegarten's Dichtungen. Siebenter Band. Lyrischer Gedichte Siebentes, achtes, neuntes Buch. Greifswald, gedruckt beym Königl. Directeur J.H. Eckhardt. 1813, pages 23-25.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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Set in a modified version by Franz Peter Schubert.


Researcher for this text: Peter Rastl [Guest Editor]

This text was added to the website: 2017-06-07
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Word count: 188