by Johann Gabriel Seidl (1804 - 1875)

Mailied
Language: German (Deutsch) 
Du bist doch treu, geliebter Mai!
Versprichst uns nie die Wiederkehr,
Und kommst doch immer wieder her.

Es ist ja nicht Gesetz und Pflicht;
Und fiel's dir einmal ein zu ruh'n,
Wir könnten nichts dawider tun!

Kaum aber fleh'n wir, dich zu seh'n,
So wirbelt schon ein Lerchlein wo:
'Der Frühling kommt! Sei frisch und froh!'

Kaum wünschten wir den Schnee von hier,
So fliegt er weg, wie leichter Flaum,
Und macht den jungen Halmen Raum.

Schon trägt das Land sein Festgewand,
Schon schrieb der Lenz in Wald und Trift
Sich lesbar ein mit Blumenschrift.

Zu schnell beinah ist er schon da;
Es ist fürs Herz ein großer Sprung,
Noch erst so alt und jetzt so jung.

Erst kalt und arm, nun reich und warm;
Erst seine Welt ein enges Haus,
Und jetzt in's Haus der Welt hinaus.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Malcolm Wren [Guest Editor]

This text was added to the website: 2018-02-18
Line count: 21
Word count: 138