by Johann Heinrich Voss (1751 - 1826)

Das Begräbniß
Language: German (Deutsch) 
O Mitternacht im Sternenschleier,
stillschweigend, schauervoll und graus!
Dem Toten, welcher naht, zur Feier
geuß deines Dunkels Schrecken aus!
Ach, unser Herz
beugt tief der Schmerz,
beugt tief der Andacht Ernst herab,
dass heiß und mild
die Träne quillt
und starr die Seele staunt ins Grab.

Der Zug in Flor und Mantel wallet
zur letzten Menschenwohnung her;
die Bahre schwebt, vom Turme hallet
die dumpfe Totenglocke schwer.
Mattdämmernd Licht
der Fackeln bricht
das Grau'n im düster'n Lindenkranz;
Nur Leichenstein 
und morsch Gebein
erblickt das Aug' im bleichen Glanz.

Wie Gottes Winde weh'n und brausen,
tönt leis' und stark der Orgel Mund
und füllt in feierlichen Pausen
der gotischen Gewölbe Rund.
Sanft klagend schwebt
die Stimm' und bebt,
bald einzeln, bald in vollem Chor;
entzückt nun reißt
den trunk'nen Geist
die Jubelharmonie empor.

Empor zu Gott, der nicht für Kummer
des Menschen Wunderbau beseelt,
der uns nach kurzen Müh'n zum Schlummer
den kühlen Schoß der Erde höhlt!
Was weinen wir
am Grabe hier?
Voran nur ging der traute Freund!
Bald flieht, wie Schaum,
des Lebens Traum,
und ewig sind wir dort vereint!

Wohlan denn! Mische Staub zu Staube
der Schaufeln dumpfer Wechselklang!
Allweiser! Vater! ruft der Glaube,
dir, Herr des Todes, Preis und Dank!
Wer starb, entkam
aus Sünd' und Gram,
aus Torheit, Trug und eitlem Schein;
er steht verklärt
vor Gott und hört
und stimmt ins Halleluja ein.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Winkler

This text was added to the website: 2020-10-01
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