Cäcilia, Viertes Stück

by Johann Friedrich Reichardt (1752 - 1814)

Word count: 1250

9. An den Genius der Menschlichkeit [sung text not yet checked]

Hinweg, wer kühn ins Heiligthum,
Unreines Herzens, drang!
Des Weins Erschaffer, ihm zum Ruhm
Ertönt der Hochgesang!
Es bebt der Saal in Götterglanz!
Heil, Heil dir! guter Geist,
Der uns, entwöhnt des niedern Tands,
Durch Sturm und Wolken reißt!

Du hast die Menschen zum Genuß 
Des Lebens erst geweiht,
O namenreicher Genius 
Der edlern Menschlichkeit.
Du lehrst, als Noah, als Osir,
Die rohe Wildnis baun;
Preis dir, Iao! Bacchus, dir! 
Erschallts von grünen Aun.

Nach Beer' und Eichel, ungeschlacht,
Durchbrach der Mensch den Wald,
Kaum schlau zu Fischfang und zur Jagd,
Und haust' in Kluft und Spalt.
Sein Weib und Kind durchheult' um ihn 
Den Sturm, ohn' Hüll' und Glut;
Oft naht' ein Feind, vom Hunger kühn,
O Graun! und schwelgt' in Blut.

Dein Lenz erschien: die Wilde traf 
Ein Lamm gesäugt am Bach; 
Sie reichte Klee dem frommen Schaf,
Und blöckend folgt' es nach.
Mit Heerd' und Hund durchschweifte man 
Forthin die öde Welt;
Die Hirtin melkt' und sang und spann,
Und wirthlich raucht' ihr Zelt.

Schon milder, trennte schmerzhaft sich
Vom schönen Thal die Schaar, 
Und ach vom Freund, der nachbarlich
Ihr Trost und Umgang war.
Da pflanztest du des Landes Frucht
Ins schöne Thal hinein:
Getreid' und Obst in reicher Zucht,
Und Honig, Öl und Wein.

Die Ordnung schmückte Dorf und Stadt,
Vom schönen Volk umblüht,
Die Kunst mit Meißel, Schnur und Rad,
Der Weisheit Red' und Lied.
Vom Staube lehrte himmelwärts
Religion entfliehn; 
Und wonnevoll vernahm das Herz
Der Sfären Harmonien.

O weh' ihm, wessen Hand ein Glied
Der Kette frech zerreißt,
Die sanft empor zur Gottheit zieht
Des Göttersohnes Geist!
Ein Thier des Feldes, wühlt er nur
Nach schnöder Sättigung;
Ihn labte nie dein Reiz, Natur,
Ihn nie des Liedes Schwung!

Heil, Heil! erhabner Genius
Der edlern Menschlichkeit,
Der Sinn' und Herzen zum Genuß
Urreiner Schöne weiht!
Dir schwören wir beim Feiertrank
Von neuem Biedermut;
Und laut ertönts im Hochgesang:
Seid menschlich, froh und gut!

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Confirmed with Gedichte von Johann Heinrich Voss, Zweiter Band, Königsberg, bei Friederich Nicolovius, 1795, pages 169-172.


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11. Die Sterne [sung text checked 1 time]

Fleug' auf durch Gottes Sternenheere,
mein wonnetrunk'ner Geist,
hin, wo die letzt trübe Sphäre
am grauen Chaos kreist!
Wie hehr sich Millionen Himmel
um Millionen Sonnen dreh'n!
Wie hehr der Sonnen Glanzgewimmel
sich dreht in ungemess'nen Höh'n!

Entbrannt von Mutterlieb' umschweben
sie, Gott, dein Angesicht,
die Sonnen rings, und schöpfen Leben
aus deinem Quell und Licht;
und tränken Töchter jed' und Söhne,
euch Erden, und ihr Monde weit.
Ihr taumelt, satt der Kraft und Schöne,
und donnert Gottes Herrlichkeit.

O Vater, preist ihr hohen Klanges,
du hüllest uns in Glanz
und lehrest, froh des Preisgesanges,
uns ew'gen Reigentanz!
Den Felsenleib, durchströmt von Meeren,
erschuf voll Keim' uns deine Hand,
dass Pflanz' und Leben wir gebären
und wimmeln Wasser, Luft und Land.

Du schmückst der Berge Haupt mit Wäldern,
mit Erz der Berge Schoß;
du schenkest Gras und Korn den Feldern,
der Wildnis Heid' und Moos!
Vom Eis des Pols zum Sonnenfeuer,
von Alpenhöh'n zur tiefsten Flut
schwärmt zahmes Vieh und Ungeheuer,
Gewürm und reger Vögel Brut!

Doch herrschend ragt in seiner Stärke
der Geist, in Staub gehüllt,
das Wunder deiner Wunderwerke,
der Mensch, dein Ebenbild.
Er forscht und staunt, der Wesen Leiter,
vom dunkeln Staub zum Engelchor,
forscht auf und ab und schwingt sich weiter
zu Weisheit und zu Lieb' empor!

Du schwängerst, Gott, durch Not und Mühe
des Menschen Geist mit Kraft,
damit sein edler Keim entblühe
zu heller Wissenschaft!
Und wann, am Strahl des Lichts verschmachtet,
die Wissenschaft zu Trägheit welkt,
schnell stürmst du, dass die Heit're nachtet,
Vom jähen Wahn und Trug umwölkt!

Bald ringt der Geist empor zur Klarheit,
der Urkraft sich bewusst,
vertraut der selbsterrung'nen Wahrheit
und ahndet Himmelsluft!
Ihm lächelt selbst der Tod, ein Retter!
Es dorre Laub, vom Herbst verstreut;
es weh'n im Frühling junge Blätter;
der Weise denkt Unsterblichkeit!

Lobsingt durch aller Himmel Ferne!
Ein Retter ist der Tod!
Im Reigentanz, ihr Morgensterne,
lobsinget unser'm Gott!
Und Vorgefühl des besser'n Lebens
durchschaur' ihn, sanft herabgetaut,
wer durch die Nacht voll heißen Strebens
empor zum Sternenhimmel schaut!

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13. Das Begräbniß [sung text checked 1 time]

O Mitternacht im Sternenschleier,
stillschweigend, schauervoll und graus!
Dem Toten, welcher naht, zur Feier
geuß deines Dunkels Schrecken aus!
Ach, unser Herz
beugt tief der Schmerz,
beugt tief der Andacht Ernst herab,
dass heiß und mild
die Träne quillt
und starr die Seele staunt ins Grab.

Der Zug in Flor und Mantel wallet
zur letzten Menschenwohnung her;
die Bahre schwebt, vom Turme hallet
die dumpfe Totenglocke schwer.
Mattdämmernd Licht
der Fackeln bricht
das Grau'n im düster'n Lindenkranz;
Nur Leichenstein 
und morsch Gebein
erblickt das Aug' im bleichen Glanz.

Wie Gottes Winde weh'n und brausen,
tönt leis' und stark der Orgel Mund
und füllt in feierlichen Pausen
der gotischen Gewölbe Rund.
Sanft klagend schwebt
die Stimm' und bebt,
bald einzeln, bald in vollem Chor;
entzückt nun reißt
den trunk'nen Geist
die Jubelharmonie empor.

Empor zu Gott, der nicht für Kummer
des Menschen Wunderbau beseelt,
der uns nach kurzen Müh'n zum Schlummer
den kühlen Schoß der Erde höhlt!
Was weinen wir
am Grabe hier?
Voran nur ging der traute Freund!
Bald flieht, wie Schaum,
des Lebens Traum,
und ewig sind wir dort vereint!

Wohlan denn! Mische Staub zu Staube
der Schaufeln dumpfer Wechselklang!
Allweiser! Vater! ruft der Glaube,
dir, Herr des Todes, Preis und Dank!
Wer starb, entkam
aus Sünd' und Gram,
aus Torheit, Trug und eitlem Schein;
er steht verklärt
vor Gott und hört
und stimmt ins Halleluja ein.

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14. Die Veredelung [sung text checked 1 time]

Der Geisteswildheit Nacht voll Grauen
lag öd' und dumpf auf Deutschlands Gauen.
Da wandte Gott sein Angesicht
und rief herab: Es werde Licht!
Die Nacht verdämmert, Dämm'rung schwindet!
Der Wild', ein kaum belebter Kloß,
wird Mensch, blickt um sich und empfindet,
was wahr und edel ist und groß.
Wir alle, wir alle,
wir heben Herz und Hand!
Es rufe Mann und Weib, das Kind am Busen lalle:
Heil, Freiheit, dir! Heil, Vaterland!

Vernunft, durch Willkür erst befehdet,
doch kühn und kühner, singt und redet
von Menschenrecht, von Bürgerbund,
von aller Satzung Zweck und Grund.
In Zauberschrift umhergeschwungen
fliegt tausendfach der weise Schall,
hat bald des Volkes Herz durchdrungen
und schafft Gemeinsinn überall.
Wir alle, wir alle etc.

Nicht herrscht durch fremder Formeln düster
hinfort Gerichtsherr oder Priester;
das Volksgesetz wägt grad' und gleich
Gerechtigkeit für Arm und Reich.
Nicht mehr verfolgt wird Lehr' und Meinung,
nicht gilt für Gottesdienst ein Brauch.
Nur Lieb' ist aller Kirchen Einung,
der Tempel und Moscheen auch.
Wir alle, wir alle etc.

Nur Tugend, nicht Geburt, gibt Würde,
verteilt nach Kraft ist Amt und Bürde.
Der bauet Kunst, Gewerb' und Saat,
der schmückt den Geist, der Heer und Staat.
Der gegen Feind' und Unterdrücker
trägt Obermacht zu treuer Hut
und gibt, des freien Volks Beglücker,
ihm Rechenschaft von Hab' und Blut.
Wir alle, wir alle etc.

Was zittert ihr, der Staaten Wächter?
Veredelt strebt das Volk, nicht schlechter!
Vom Missbrauch nur genest der Thron,
vom Wahne nur Religion!
Die Fessel strengt ihr an? Vergebens!
Zur Freiheit ruft uns unser Gott!
Dem Geist im Vollgefühl des Strebens
ist aller Welten Macht ein Spott!
Wir alle, wir alle etc.

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17. Entschlossenheit [sung text not yet checked]

Vorwärts, mein Geist, den schroffen Pfad!
 . . . . . . . . . .

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18. Pfingstlied [sung text not yet checked]

Schmückt das Fest mit grünen Maien
 . . . . . . . . . .

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19. Die Bewegung [sung text not yet checked]

Und rauscht' auch alles umgedreht
Dem Untergange zu;
Der weise Mann am Wirbel steht
Gedankenvoll in Ruh'.
Die jetzt in wildem Sturz sich drehn,
Die Wasser werden auferstehn.

Der aller Dinger Maß und Ziel
Zum Heil geordnet hat,
Durchschaust du seines Thuns Gewühl?
Warst du in seinem Rath?
Der Sonn' und Mond im Gleis' erhält,
Er weiß, wo jeder Tropfen fällt.

Es stand der See, lang' eingehemmt,
Und sumpft' in ödem Rohr;
Von Fäulniß grünt' er, halb verschlämmt,
Und hauchte Pest, und gohr.
Der Ordner sah; sein Engel kam;
Das Wasser bebt', und brach den Damm.

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