by Friederike Brun (1765 - 1835)

Klage
Language: German (Deutsch) 
Hingebeugt von bangem tiefem Sehnen, 
Such' ich, Einsamkeit, ach!  Deinen Schooss. 
Fliesst, o fliesst nun ungeseh'n, ihr Thränen! 
Herz!  Du bist jetzt deiner Fesseln los!  

Hüllt mich ein, ihr nächtlich schwarzen Schatten; 
Seufzend sucht euch mein [beklommnes]1 Herz!  
[Finstrer Hain, ihr stillen grünen Matten]2,
Nur bei euch ergiesse sich mein Schmerz!  

Ach!  Warum, warum bist du, o Seele, 
Voll Gefühl', voll Lieb' und voll Natur? 
Ward, damit sie peinlicher dich quäle, 
Dir die Fülle der Empfindung nur  --  

Der Empfindung, die die Welt verkennet, 
Die sie stolz verlachet, kalt verhöhnt; 
Die empor zu reinern Sphären brennet, 
Und nach einer Unschuldwelt sich sehnt?  

Thörichte!  Bist du genug geläutert, 
Zu geniessen bessrer Welten Glück? 
Schwaches Herz!  Wie oft bist du gescheitert, 
Wie umwölkt ist noch dein trüber Blick!  

Ach!  Nicht rein genug für höhre Freuden, 
Noch nicht reif zum seligern Genuss, 
Ist dies Herz; [geläutert erst durch]3 Leiden, 
Werd' ich werth der Engelschwestern Gruss! 

J. Reichardt sets stanzas 1-4

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Confirmed with Friederike Brun, Gedichte, ed. by Friedrich Matthisson, Zürich: Orell, Füssli & Comp., 1803, pages 115 - 116.

1 Kunzen: "beladen"
2 Kunzen: "Grab und Dunkel, ihr des Todes Gatten"
3 Kunzen: "erst durchgeprüft von"

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2020-07-05
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