Gesänge der Klage und des Trostes

by Johann Friedrich Reichardt (1752 - 1814)

Word count: 1190

1. Das Grab [sung text checked 1 time]

Das Grab ist tief und stille,
Und schauderhaft sein Rand.
Es deckt mit schwarzer Hülle
Ein unbekanntes Land.

Das Lied der Nachtigallen
Tönt nicht in seinem Schooß.
Der [Freundschaft]1 Rosen fallen
Nur auf des Hügels Moos.

Verlaßne Bräute ringen
Umsonst die Hände wund;
Der [Waise]2 Klagen dringen
Nicht in der Tiefe Grund.

Doch sonst an keinem Orte
Wohnt die ersehnte Ruh;
Nur durch die [dunkle]3 Pforte
Geht [man]4 der Heimat zu. 

Das arme Herz, hienieden
Von manchem Sturm bewegt,
Erlangt den wahren Frieden
Nur [wo]5 es nicht mehr schlägt.

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Confirmed with Gedichte von J. G. von Salis. Gesammelt durch seinen Freund Friedrich Matthisson. Zürich, bey Orell, Gessner, Füssli und Compagnie. 1793, pages 35-36; and with Gedichte von J. G. von Salis. Neueste Auflage. Wien 1815. Bey B. Ph. Bauer, pages 36-37.

First published in a different version in Göttinger Musenalmanach 1788, see below.

1 Reichardt: "Liebe"
2 Schubert (D.643A): "Waisen"
3 Westenholz: "enge"
4 Reichardt: "wir"
5 Westenholz: "wenn"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

2. Trost am Grabe [sung text checked 1 time]

Trockne deines Jammers Thränen,
  Heitre deinen Blick;
Denn es bringt kein banges Sehnen
  Ihn, der starb, zurück.
Ach, die holde Stimm' und Rede,
Und der Lieblichkeiten jede,
Und sein freundliches Gesicht
Ruht im Grab', und kehret nicht.

Gleich des Feldes Blumen schwindet
  Alles Fleisch umher;
Traurend sucht der Freund, und findet
  Seinen Freund nicht mehr.
Vor dem welken Greis' am Stabe
Sinkt der Jüngling und der Knabe,
Vor der Mutter sinkt in's Grab
Oft die junge Braut hinab.

Gleich des Feldes Blumen werde
  Alles Fleisch verstäubt;
Nur der Erdenleib wird Erde;
  Sein Bewohner bleibt!
Ja, du [lebst]1, Geliebter, lebest
Über Sternen, oder schwebest
Mitleidsvoll um [Deinen Freund,
Der an Deinem Grabe weint!]2

Diese Kräfte, dieses Trachten
  Zur Vollkommenheit,
Dieses Vorgefühl, dies Schmachten
  Nach Unsterblichkeit:
Dieser Geist, der Welten denket,
Würde mit in's Grab gesenket?
Und geschaffen hätte Gott
Dieses alles nur zum Spott?

Nein, nicht spottend, nicht vergebens
  Schufst Du, Gott, Dein Bild;
Lieb' und Weisheit hat des Lebens
  Geist in Staub gehüllt.
Diese Hülle wird zertrümmert,
Und die freie Seele schimmert
Zu der höhern Geister Chor
Immer herrlicher empor.

Auf von Moder und Verwesung
  Blick' hinauf, mein Geist,
Wo im Friedensthal Genesung,
  Alles Jammers fleußt,
Wo nicht Krieg, Erdbeben, Fluthen,
Hunger, Pest und wilde Gluthen,
Wo nicht Trennung mehr noch Tod
Liebenden Geliebten droht!

Ach! des Wonnetags, der wieder
  Ewig Freund und Freund,
Eltern, Kinder, Schwestern, Brüder,
  Mann und Weib vereint.
Wann, gelehrt von Himmeslweisen,
Wir des Vaters Liebe preisen,
Der aus Irrthum, Schmerz und Gram
Uns in seine Ruhe nahm!

[ ... ]

Authorship

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Confirmed with Sämmtliche poetische Werke von Johann Heinrich Voss, ed. by Abraham Voss, Leipzig, Immanuel Müller, 1835, page 163.

1 Reichardt: "selbst"
2 Reichardt: "meinen Geist,/ Der dir ewge Treu verheißt."

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Klage [sung text checked 1 time]

Hingebeugt von bangem tiefem Sehnen, 
Such' ich, Einsamkeit, ach!  Deinen Schooss. 
Fliesst, o fliesst nun ungeseh'n, ihr Thränen! 
Herz!  Du bist jetzt deiner Fesseln los!  

Hüllt mich ein, ihr nächtlich schwarzen Schatten; 
Seufzend sucht euch mein [beklommnes]1 Herz!  
[Finstrer Hain, ihr stillen grünen Matten]2,
Nur bei euch ergiesse sich mein Schmerz!  

Ach!  Warum, warum bist du, o Seele, 
Voll Gefühl', voll Lieb' und voll Natur? 
Ward, damit sie peinlicher dich quäle, 
Dir die Fülle der Empfindung nur  --  

Der Empfindung, die die Welt verkennet, 
Die sie stolz verlachet, kalt verhöhnt; 
Die empor zu reinern Sphären brennet, 
Und nach einer Unschuldwelt sich sehnt?  

[ ... ]

Authorship

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Confirmed with Friederike Brun, Gedichte, ed. by Friedrich Matthisson, Zürich: Orell, Füssli & Comp., 1803, pages 115 - 116.

1 Kunzen: "beladen"
2 Kunzen: "Grab und Dunkel, ihr des Todes Gatten"
3 Kunzen: "erst durchgeprüft von"

Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

4. Trost [sung text checked 1 time]

Lehnst du deine bleichgehärmte Wange
Immer noch an diesen Aschenkrug?
Weinend um den Todten, den schon lange
Zu der Seraphim Triumphgesange
Der Vollendung Flügel trug?

Siehst du Gottes Sternenschrift dort flimmern,
Die der bangen Schwermuth Trost verheißt?
Heller wird der Glaube [nun dir]1 schimmern,
Daß hoch über seiner Hülle Trümmern
Walle des Geliebten Geist!

Wohl, o wohl dem liebenden Gefährten
Deiner Sehnsucht, er ist ewig dein!
Wiedersehn, im Lande der Verklärten,
Wirst du, Dulderin, den Langentbehrten,
Und wie er unsterblich seyn!

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Troost voor Elisa", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Comfort for Elisa", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Réconfort pour Élise", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Friedrich von Matthisson. Erster Theil. Tübingen, bei Cotta, 1811, page 90, and with Friedrich von Matthisson, Gedichte, fifteenth edition, Zurich: Orell, Fuessli & Co., 1851, page 63.

First published in Musen-Almanach für 1786, herausgegeben von Voß und Goeking, Hamburg, bey Carl Ernst Bohn, pages 24-25, with the title "Die Unsterblichkeit", subtitle "An Elisa". This first edition has an additional (third) stanza which was left out in later editions.

1 Schubert: "dir nun"

Research team for this text: Melanie Trumbull , Peter Rastl [Guest Editor]

5. Das Bild der Sehnsucht [sung text not yet checked]

Süßes Bild, das mir mit leisem Sehnen
 . . . . . . . . . .

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Authorship

6. Ich denke dein [sung text not yet checked]

Ich denke dein, wenn sich im Blüthenregen
  Der Frühling malt,
Und wenn des Sommers mild gereifter Segen
  In Ähren strahlt.

Ich denke dein, wenn sich das Weltmeer tönend
  Gen Himmel hebt,
Und vor der Wogen Wuth das Ufer stöhnend
  Zurücke bebt.

Ich denke dein, wenn sich der Abend röthend
  Im Hain verliert,
Und Philomelens Klage leise flötend
  Die Seele rührt.

Beim trüben Lampenschein, [im bittern]1 Leiden
  Gedacht' ich dein,
Die bange Seele flehte, nah am Scheiden:
  Gedenke mein!

Ich denke dein, bis wehende Cypressen
  Mein Grab umziehn,
Und [auch]2 im Tempe's Hain soll unvergessen
  Dein Name blühn.

Authorship

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Je pense à toi", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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1 Zelter, Zumsteeg: "in bitterm"
2 Gerson: "selbst"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

7. Die Erinnerung [sung text not yet checked]

Gute Zeiten, sel'ge Stunden, 
Sagt, wo seid ihr hingeschwunden? 
Und zum Unglück oder Glück 
Blieb mir euer Blick zurück?"

"Hin zu neuer Jugend Stunden 
Sind wir leise hingeschwunden; 
Und zur Labung und zum Glück 
Blieb dir unser Blick zurück."  

Euer Bild?  --  Wie ungenossen 
Sind der Tage viel verflossen! 
Trübe kommt dem matten Blick 
Reue oft statt Trost zurück.  

"Auch der Reue süße Schmerzen 
Sind ein Balsam kranker Herzen. 
Neuer Muth ist Lebensglück, 
Schaue vor dich, nicht zurück."  

Vor mich?  Sieh auf jenem Hügel 
In der Abendröthe Spiegel 
Seh' ich eine Urne stehn 
Darf ich, darf ich zu ihr gehn?  

"Geh' hinan!  Die goldnen Stunden 
Haben kränzend sie umwunden 
Lies die Inschrift."   Glänzend-schön! 
"Auch hier ist Arkadien."  

Authorship

Based on

Confirmed with Johann Gottfried v. Herders sämmtliche Werke, erster Band, Stuttgart und Tübingen: J. G. Cotta'scher Verlag, 1852, pages 10 - 11. Appears in Bilder und Träume.


Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

8. An den Mond [sung text not yet checked]

Silbern wallest du mir näher
 . . . . . . . . . .

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Authorship

9. Beruhigung [sung text not yet checked]

Wo [des Mondes bleicher Schimmer]1
  Durch der Kiefern Dunkel blickt;
Wo um wildes Felsgetrümmer
  Sich die Efeuranke strickt;
Wo des Nebels Todtenschleier
  Sich um Herbstgesträuche dehnt;
Wo am trüben Erlenweiher
  Dürres Rohr im Winde tönt;

Wo in schwarzen Alpenschlünden
  Dumpf der Bergstrom wiederhallt;
Wo, ein Spiel den Abendwinden,
  Welkes Laub auf Gräber wallt.
Da, da wandelt, von der Thoren
  Eitler Schimmerbühne fern,
Schwermuth! der, den du erkohren,
  Unter Ahndungsträumen, gern.

Da erfüllt ein stilles Sehnen
  Nach des Grabes Ruh' [sein]2 Herz;
Da ergießt in heissen Thränen
  Sich der Seele [banger]3 Schmerz,
Und [sein]4 Blick durchschaut die trübe
  Zukunft ruhig bis ans Grab,
Und es ruft: Gott ist die Liebe!
  Jeder Stern auf [ihn]5 herab.

Authorship

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Apaisement", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte für die jüngere Jugend. Zur Unterhaltung und Belehrung, so wie auch zur Übung im Auswendiglernen und Declamiren, gesammelt und herausgegeben von K. H. Gutmann, Wien, im Verlage bey Anton Doll, 1814, pages 151-152.

1 Reichardt, Zelter: "Wo der Mond mit bleichem Schimmer"; further changes may exist not noted.
2 Zelter: "das"
3 Zelter: "sanfter"
4 Zelter: "der"
5 Zelter: "sie"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Malcolm Wren [Guest Editor] , Sharon Krebs [Guest Editor]

10. Die Wehmut [sung text not yet checked]

Mit leisen Harfentönen
Sey, Wehmuth, mir gegrüßt!
O Nymphe, die der Thränen
Geweihten Quell verschließt!
Mich weht an deiner Schwelle
Ein linder Schauer an,
Und deines Zwielichts Helle
Glimmt auf des Schicksals Bahn.

Du, so die Freude weinen,
Die Schwermuth lächeln heißt,
Kannst Wonn' und Schmerz vereinen,
Daß Harm in Lust verfleußt;
Du hellst bewölkte Lüfte
Mit Abendsonnenschein,
Hängst Lampen in die Grüfte
Und krönst den Leichenstein.

Du nahst, wenn schon die Klage
Den Busen sanfter dehnt,
Der Gram an Sarkophage
Die müden Schläfe lehnt;
[Wenn]1 die Geduld gelassen
Sich an die Hoffnung schmiegt,
Der [Zähren Thau]2 im nassen,
Schmerzlosen Blick versiegt.

Du, die auf Blumenleichen
Des Tiefsinns Wimper senkt,
Bey blätterlosen Sträuchen
Der Blüthenzeit gedenkt;
In Florens bunte Kronen
Ein dunkles Veilchen webt,
Und still, mit Alcyonen,
[Um Schiffbruchstrümmer]3 schwebt.

O du, die sich so gerne
Zurück zur Kindheit träumt,
Selbst ihr Gewölk von Ferne
Mit Sonnengold besäumt:
Was [uns]4 Erinn'rung schildert
Mit [stillem Glanz]5 verbrämt,
Der Trennung Qualen mildert,
Und die Verzweiflung zähmt.

Der Leidenschaften Horden,
Der Sorgen Rabenzug,
Entfliehn vor den Accorden,
Die deine Harfe schlug;
Du zauberst Alpensöhnen,
Verbannt auf Flanderns Moor,
Mit Sennenreigen-Tönen
Der Heimath Bilder vor.

In deinen Schattenhallen
Weihst du die Sänger ein;
Lehrst junge Nachtigallen
Die Trauer-Melodey'n;
Du neigst, wo Gräber grünen,
Dein Ohr zu Hölty's Ton;
Pflückst Moos von Burgruinen
Mit meinem Matthisson.

[Rühr']6 unter Thränenweiden
[Noch oft mein Saitenspiel;]7
Verschmilz' auch Gram und Leiden
In süßes Nachgefühl;
[Gib]8 Stärkung dem Erweichten!
Heb' aus dem Trauerflor,
Wenn Gottes Sterne leuchten,
Den Andachtsblick empor!

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Malcolm Wren) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von J. G. von Salis. Gesammelt durch seinen Freund Friedrich Matthisson. Zürich, bey Orell, Gessner, Füssli und Compagnie. 1793, pages 14-17; and with Gedichte von J. G. von Salis. Neueste Auflage. Wien 1815. Bey B. Ph. Bauer, pages 120-122.

1 Salis (1793 edition): "Bis"
2 Salis (1793 edition): "Zähren-Thau"
3 Salis (1793 edition): "Ob Schiffbruchstrümmern"
4 Salis (1793 edition): "ihr"
5 Salis (1793 edition): "Westkarmin"
6 Salis (1793 edition): "Führ"
7 Salis (1793 edition): "O Nymfe, mich zum Ziel!"
8 Salis (1793 edition): "Sei"

Research team for this text: Richard Morris , Peter Rastl [Guest Editor]

11. Schmerzen der Liebe [sung text not yet checked]

Ich ging unter Weiden am ländlichen See
 . . . . . . . . . .

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12. An das Klavier [sung text not yet checked]

Kleiner holder Zauberquell!
 . . . . . . . . . .

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