Translation by Wilhelm Christoph Leonhard Gerhard (1780 - 1858)

An die Quelle rein und klar
Language: German (Deutsch)  after the Serbian (Српски) 
An die Quelle rein und klar 
Geht die schmucke Dirne, 
Netzt das holde Augenpaar,
Wangen, Mund und Stirne, 
Wäscht ihr schönes Angesicht, 
Spiegelt's in der Quelle Licht.

Spricht erröthend, liebeheiß:
Wenn ich sicher wüßte,
Wenn ich wüßte, daß ein Greis
Dich, o Antlitz, küßte:
Sammelt' ich im grünen Hain 
Alle Wermuthstauden ein. 

Nennte mich der Alte Braut,
Wollte Küsse naschen,
Wärst du mit dem bittern Kraut
Morgens schon gewaschen,
Daß dem Alten zum Verdruß
Bitter schmeckte jeder Kuß. 

Aber käm' ein Jüngling her,
Mich an's Herz zu drücken:
Pflückt' ich keinen Wermuth mehr, 
Rosen würd ich pflücken, 
Trüg' sie alle still nach Haus,
Braute mir ein Wasser draus.

Wollte mit dem Wasser dich 
Spät und früh benetzen,
Könnte dann der Jüngling sich
An dem Dufte letzen;
Wäre, traun! ihm solcher Kuß 
Ein erquicklicher Genuß.

Lieber auf dem harten Pfühl 
Einer Felsenklippe, 
Und ein Wörtchen voll Gefühl 
Aus des Jünglings Lippe,
Als auf Betten von Damast 
Von des Greises Arm umfaßt! 

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Confirmed with Wila. Serbische Volkslieder und Heldenmährchen von W. Gerhard, Leipzig, Verlag von Joh. Ambr. Barth, 1828, pages 99-100.


Authorship

Based on

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

Text added to the website: 2020-02-09 00:00:00
Last modified: 2020-02-09 19:18:51
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