by Paul Antschel (1920 - 1970), as Paul Celan
Halbe Nacht
Language: German (Deutsch)
Halbe Nacht. Mit den Dolchen des Traumes geheftet in sprühende Augen. Schrei nicht vor Schmerz: wie Tücher flattern die Wolken. Ein seidener Teppich, so ward sie gespannt zwischen uns, daß getanzt sei von Dunkel zu Dunkel. Die schwarze Flöte schnitzten sie uns aus lebendigem Holz, und die Tänzerin kommt nun. Aus Meerschaum gesponnene Finger taucht sie ins Aug uns: eines will hier noch weinen? Keines. So wirbelt sie selig dahin, und die feurige Pauke wird laut. Ringe wirft sie uns zu, wir fangen sie auf mit den Dolchen. Vermählt sie uns so? Wie Scherben erklingts, und ich weiß es nun wieder: du starbst nicht den malvenfarbenen Tod.
Text Authorship:
- by Paul Antschel (1920 - 1970), as Paul Celan, "Halbe Nacht" [author's text checked 1 time against a primary source]
Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):
- by Nikolaus Schapfl (b. 1963), "Halbe Nacht", published 1995, first performed 1994 [ soprano and piano ], from Liederzyklus »Wandlung«. Ich gehöre meinem Geliebten. . . 20 Lieder für Sopran und Klavier, no. 5 [sung text not yet checked]
Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]
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