by Detlev von Liliencron (1844 - 1909)
Aus der Kinderzeit
Language: German (Deutsch)
In alten Briefen saß ich heut' vergraben, Als einer plötzlich in die Hand mir fiel, Auf dem die Jahresziffer mich erschreckte, So lange war es her, so lange schon. Die Schrift stand groß und klein und glatt und kraus Und reichlich untermischt mit Tintenklecksen: "Mein lieber Fritz, die Bäume sind nun kahl, Wir spielen nicht mehr Räuber und Soldat, Türk hat das rechte Vorderbein gebrochen, Und Tante Hannchen hat noch immer Zahnweh, Papa ist auf die Hühnerjagd gegangen. Ich weiß nichts mehr. Mir geht es gut. Schreib' bald und bleibe recht gesund. Dein Freund und Vetter Siegesmund ..." "Die Bäume sind nun kahl", das herbe Wort Ließ mich die Briefe still zusammenlegen, Gab Hut und Handschuh mir und Rock und Stock, Und drängte mich hinaus in meine Haide.
Confirmed with Detlev von Liliencron, Der Haidegänger und andere Gedichte, 1. Auflage, 1890.
Text Authorship:
- by Detlev von Liliencron (1844 - 1909), "Aus der Kinderzeit", appears in Der Haidegänger und andere Gedichte, first published 1890 [author's text checked 1 time against a primary source]
Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):
- by Fritz Fleck (1880 - 1933), "Aus der Kinderzeit", op. 6 (Fünf Gesänge für 1 Singstimme mit Pianoforte) no. 3, published 1906 [ voice and piano ], Berlin, Challier & Co [sung text not yet checked]
Settings in other languages, adaptations, or excerpts:
- Also set in Czech (Čeština), a translation by Anonymous/Unidentified Artist ; composed by Bohuslav Martinů.
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