by Karl von Lemcke (1831 - 1913)

Nordwind
Language: German (Deutsch) 
Ich wollt', ich wär' der wilde Nord, 
Der heute Nacht am Himmel stürmt, 
Zum Bergsee braust ich jauchzend fort, 
D'ran schroff die Felsenwand sich thürmt. 

Und rauschte um dein hohes Haus  --  
O fühl'st du nicht, ich bin dir nah'! 
Heraus, mein süßes Lieb, heraus! 
Dein Bub, dein wilder Bub ist da. 

Du führst aus deinen Träumen tief 
Und lauschtest durch die dunkle Nacht  --  
"Mein Knab' ist's, der wie Sturmwind rief, 
Den ich so fern, so fern gedacht." 

Dein Knabe kommt vom Meeresbord, 
Ihn litt's nicht mehr, dir fern zu sein, 
Er ward für dich zum wilden Nord, 
Mach auf, mach auf!  o laß ihn ein. 

Er findet Ruh' ja nur bei dir, 
In deinem Blick, bei deinem Wort  --  
Machtloser Wunsch, nun stürm' ich hier 
Noch wilder als der wilde Nord.

Confirmed with Karl von Lemcke, Lieder und Gedichte, Hamburg: Hoffmann und Campe, 1861, pages 21 - 22. Appears in Auf den Bergen.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

Text added to the website: 2020-01-08 00:00:00
Last modified: 2020-01-08 21:42:16
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Word count: 130