Am Walchensee. Acht Lieder

by Joseph (Gabriel) Rheinberger (1839 - 1901)

Word count: 637

1. Auf dem Baumstamm im Moos [sung text checked 1 time]

Auf dem Baumstamm im Moos
saß das Mädchen, ich daneben,
sie sah glühend in den Schoß,
ich sie an mit Beben.

O der Tag ist so heiß
und der Wald so heimlich dichte,
und die Vöglein singen leis – 
„Lass uns gehn, zum Lichte!“

O nur ein einz’ger Kuss,
lass mich deine Hand nur fassen.
„Willst du dass ich weinen muss
und mich dann verlassen?“

Authorship

Researcher for this text: Barbara Heckel

2. Nun weißt du, Trotzkopf [sung text checked 1 time]

Nun weißt du, Trotzkopf, auch wie’s tut, 
wen Lieb im Herzen brennt,
verschwunden ist dein Übermut,
dass man dich kaum noch kennt!

Du lächelst oft so vor dich hin 
und seufzest dann so schwer,
und Tränen seh im Aug ich drin,
Meinst, dass geheim es wär?

Lieb nur, lieb Herz, geheim und still,
du scheues Vögelein,
ist niemand, der dir’s wehren will,
so selgen Glücks, voll Glücks zu sein!

Authorship

Researcher for this text: Barbara Heckel

3. Auf der Heide saust der Wind [sung text not yet checked]

Auf der Heide [saust]1 der Wind -
Herzig Kind, herzig Kind -
Willst du, daß trotz Sturm und Graus
In die Nacht ich muß hinaus -
Willst du, daß ich geh'?

Auf der Heid' zu Bergeshöh'
Treibt der Schnee, treibt der Schnee;
Feget Straßen, Schlucht und Teich
Mit den weißen Flügeln gleich.
Willst du, daß ich geh'?

Horch, wie klingt's herauf vom See
Wild und weh, wild und weh!
An den Weiden sitzt die Fei
Und mein Weg geht dort vorbei -
Willst du, daß ich geh'?

Wie ist's hier in deinem Arm
Traut und warm, traut und warm;
Ach, wie oft hab' ich gedacht:
So bei dir nur eine Nacht -
Willst du, daß ich geh'?

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Do you wish me to go?", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Veux-tu que j'y aille ?", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

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1 Brahms: "weht"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Nordwind [sung text not yet checked]

Ich wollt', ich wär' der wilde Nord, 
Der heute Nacht am Himmel stürmt, 
Zum Bergsee braust ich jauchzend fort, 
D'ran schroff die Felsenwand sich thürmt. 

Und rauschte um dein hohes Haus  --  
O fühl'st du nicht, ich bin dir nah'! 
Heraus, mein süßes Lieb, heraus! 
Dein Bub, dein wilder Bub ist da. 

Du führst aus deinen Träumen tief 
Und lauschtest durch die dunkle Nacht  --  
"Mein Knab' ist's, der wie Sturmwind rief, 
Den ich so fern, so fern gedacht." 

Dein Knabe kommt vom Meeresbord, 
Ihn litt's nicht mehr, dir fern zu sein, 
Er ward für dich zum wilden Nord, 
Mach auf, mach auf!  o laß ihn ein. 

Er findet Ruh' ja nur bei dir, 
In deinem Blick, bei deinem Wort  --  
Machtloser Wunsch, nun stürm' ich hier 
Noch wilder als der wilde Nord.

Authorship

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Confirmed with Karl von Lemcke, Lieder und Gedichte, Hamburg: Hoffmann und Campe, 1861, pages 21 - 22. Appears in Auf den Bergen.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

5. Der Walchensee hat keinen Grund [sung text checked 1 time]

Der Walchensee hat keinen Grund
an seiner tiefsten Stelle.
Mein liebend Herz ist tiefer noch
als See und Meereswelle.

Ich wollt mit Gedanken 
oft ergründen mein Lieben 
und unergründlich ist es doch
für diese selbst geblieben.

Authorship

Researcher for this text: Barbara Heckel

6. Verlust [sung text not yet checked]

Ich hatte eine Nachtigall,
die sang so schön, die sang so schön,
sie ist davon geflogen,
weit über Thal und Höh'n.
 
Ich hatt' ein junges Röselein,
so frisch und klar, so frisch und klar,
es ist mir weggestohlen,
derweil ich ferne war.
 
Ich hatte einen lieben Schatz,
mein Glück, mein Glanz, mein Glück, mein Glanz!
sie ist davon gezogen,
trug einen Myrthenkranz!

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English [singable] (Constance Bache) , "My loss"

Researcher for this text: Harry Joelson

7. Am Kreuzweg [sung text checked 1 time]

Am Kreuzweg bei dem grauen Stein,
da geht kein Mensch vorbei die Nacht;
da soll es nicht geheuer sein
es kichert, wispert, flüstert, lacht.

Es kichert, wispert, flüstert, lacht,
die Kornfrau tanzet um den Stein
in warmer, dunkler Sommernacht,
man sieht die Spuren auf dem Rain.

Und wen sie trifft am grauen Stein,
tut sie ein Leids mit Küssen an.
Gut Nacht, du wildes Mägdelein,
am Kreuzweg harrt dein Jägersmann.

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

8. Die Sonn ist unter [sung text checked 1 time]

Die Sonn ist unter, es schauert der Wind
und Zeit ist's, dass wir gehn.
Uns ward ja selber kühl, mein Kind,
seit wir uns nicht gesehn.

O Wiedersehen! Wie stieg so schnell
die alte Zeit empor,
ein kurzer Sonnenblick, der schnell,
wie schnell, ach, sich verlor!

Geglüht, gefragt, zurückgedacht,
eine Stunde Freud und Lust,
als wär es nimmer kühle Nacht
geworden in der Brust.

Eine Stunde Flut, dann Ebbe schon,
und nichts mehr zu gestehn,
die Sonn ist unter, die Glut entflohn
und Zeit ist's, dass wir gehn.

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler