by Walter Scott, Sir (1771 - 1832)

Abend am Toro‑See
Language: German (Deutsch)  after the English 
Tief neigt sich die Sonne zum lieblichen Toro-See,
und leiser wird Flüstern im dunklen Tannenhag.
Elinor steht am Strande mit brennendem Weh
und seufzt in die Lüfte des Herzens Liebesklag:
"Ihr thronet dort oben in himmlischer Seligkeit
und habt überwunden der Erde schauernde Not,
helft ihr meinem Jammer, der flehend um Hülfe schreit;
o sendet mir Heinrich zurück oder mir den Tod!"

Da tönet von ferne der grollende Ruf der Schlacht,
mit Windhauch er steigt, mit Windhauch er wieder verschwebt,
bis Kriegsschrei durchschauert der Landschaft friedliche Pracht,
und vom Tosen der Flüchtigen rings die Erde erbebt.
Doch Elinor weicht nicht, sie starrt in die Dämmrung hinein,
da wankt ein Krieger herbei auf ermattetem Fuß,
gespalten sein Helm, umdüstert des Auges Schein.
"O Bote, bringst du des eisigen Todes Gruß?"

"Dort decken viel Reihen von Tapfern blutigen Grund,
und Heinrich, dein Heinrich, der Held kehret nicht mehr.
Er fiel, 'grüß Elinor', hauchte sein sterbender Mund."
Da bricht auch des Boten letzte erschöpfte Kraft,
das Mädchen sinkt nieder, getroffen von tödlichem Weh!
Es schweben drei Seelen empor aus irdischer Haft.
Drei Sternlein erglimmen am lieblichen Toro-See.

Authorship

Based on

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Winkler

Text added to the website: 2020-02-01 00:00:00
Last modified: 2020-02-01 19:26:27
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