by Georg Scherer (1824 - 1909)

Die Waldrose
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): ENG
Sei mir gegrüßt, du stille Rose
In deiner düstern Einsamkeit,
Entsprossen dunklem Waldesmoose
In märchenvoller Sommerzeit.

Wenn längst im warmen Lenzeshauche 
Mit bunten Blüten prangt die Welt, 
Schlägst du dein träumerisches Auge 
Erst schüchtern auf im Waldeszelt. 

Mit ihren letzten Liedern grüßen 
Die Nachtigallen deine Pracht, 
Es lagert sich zu deinen Füßen 
Das scheue Reh in kühler Nacht. 

Mit raschem Sprunge stürzt die Quelle 
Vom Felsen, wie sie dich erschaut, 
Und ruht als Spiegel klar und helle 
Vor dir, du Nachtigallenbraut.

Wenn Schmetterlinge dich umgaukeln, 
Wenn Abendwinde dich umwehn 
Und dich in holde Träume schaukeln, 
Wie ist dein Leben reich und schön! 

Und wenn sich deine Blätter färben,
O, wie beneid' ich da dein Los!
Du neigst das Haupt und streust im Sterben
Sie schmerzlos auf das weiche Moos.

Die Vöglein alle in den Bäumen, 
Sie klagen nicht in herbem Leid; 
Sie zwitschern nur von Blütenträumen 
Und Wiedersehn zur Lenzeszeit. 

Die Sonne grüßt noch durch die Gipfel, 
Bevor sie scheidend niedergeht,
Und rauschend neigen sich die Wipfel, 
Als sprächen sie ein still Gebet.

Confirmed with Gedichte von Georg Scherer, vierte, vermehrte Auflage, Stuttgart, Leipzig, Berlin, Wien: Deutsche Verlags-Anstalt, 1894, pages 19-20


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "The forest rose", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

This text was added to the website: 2008-01-04
Line count: 32
Word count: 173