by Ludwig Jacobowski (1868 - 1900)

Sommernacht
Language: German (Deutsch) 
Wie deine Finger leis' die Tasten greifen!
Durchs Zimmer flüstern sanfte Melodien,
Das letzte Tageslicht will sacht entschweifen
Und Dämmer ihre grauen Schleier ziehn.

Ich lehne hinter dir auf deinem Stuhle,
Die schlanken Mädchenflechten in der Hand.
Du spieilst mein Lieblingslied vom Schluß in Thule,
Das klingt wie Geistergruß aus Geisterhand.

Wie schön, im blonden Mädchenhaar zu wühlen,
Verweht im Abendwind dein Märchenlied,
Wenn dir zu Häupten blasse Strahlen spielen,
Die letzten, die das Abendrot versprüht...

In blaue Nacht ist längst dein Lied verklungen,
Wir stehn am Fenster, wo der Ahorn blüht,
Und hören schweigend, Arm in Arm geschlungen,
Zwei Sprosser zwitschern ihr verliebtes Lied.

Die weite Nacht wird stumm bei ihrem Singen,
Der Brunnen weiß nicht, ob er weiterrrinnt,
Mit offenen Kelchen horchen die Syringen,
Und kaum zu atmen wagt der Sommerwind.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Bertram Kottmann

Text added to the website: 2014-01-30 00:00:00
Last modified: 2014-06-16 10:02:49
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Word count: 133