by Wilhelm Müller (1794 - 1827)
Alte und neue Tempel
Language: German (Deutsch)
Laßt die alten Tempel stürzen! Klaget um den Marmor nicht, Wenn die Hand des blinden Heiden seine schöne Form zerbricht! Nicht in Steinen, nicht in Asche wohnt der Geist der alten Welt, In den Herzen der Hellenen steht sein königliches Zelt; Darin hat er lang' geschlafen, hat an Gestern stets gedacht Und des Morgens ganz vergessen in dem Traum der langen Nacht. Und vom Vater zu dem Sohne, und zum Enkel von dem Sohn Ging aus Brust in Brust der Schläfer und bewahrte seinen Thron. Mancher hat wohl kaum geahnet, wen er in dem Herzen trug, Auch als der Herr der Herren sprach das große Wort: Erwacht! Und von Hellas Bergesgipfeln in der heil'gen Osternacht Seiner Engel Schaaren bliesen die Posaunen durch das Land, Da, da hat der alte Schläfer jauchzend sich in uns ermannt, Ist gefahren durch die Glieder, in das Haupt und in die Hand, Ja, bis in die Lanzenspitze, ja, bis in des Schwertes Knauf Zuckt er, wenn des Kriegers Rechte schwingt die freien Waffen auf. Laßt die alten Tempel stürzen! In uns ist der alte Geist, Der uns einen neuen Tempel, einen ewigen verheißt, Einen Tempel des Erhalters, der den Schläfer hat bewacht, Einen Tempel des Erweckers in der heil'gen Osternacht!
Confirmed with Wilhelm Müller, Gedichte, Berlin, 1906, p.211
Text Authorship:
- by Wilhelm Müller (1794 - 1827), "Alte und neue Tempel" [author's text checked 1 time against a primary source]
Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):
- by Konstantia Gourzi (b. 1962), "Alte und neue Tempel", op. 90 no. 4 (2021), from Songs for Hellas, no. 4, Universal Edition
Publisher: Universal Edition [external link]  [sung text not yet checked]
Researcher for this page: Joost van der Linden [Guest Editor]
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