An eine Nachtigall, die vor meinem...
Language: German (Deutsch) 
Gieß nicht so laut die liebeglühnden Lieder,
Zu meiner Quaal,
Vom Blüthenast des Apfelbaums hernieder,
O Nachtigall!

Sie tönen mir, o liebe Philomele,
Das Bildniß wach,
Das lange schon, in meiner trüben Seele,
Im Schlummer lag.

Es steht vor mir im leichten Nachtgewande,
* * * * *

Die Unholdinn verbannet Rast und Schlummer
Durch ihren Stab,
Und stürzet uns, nach jahrelangem Kummer,
Wohl gar ins Grab.

Sie trinkt voll Gier von unserm Herzensblute,
Und schwelgt sich satt;
Giebt Dornen dem, der sonst auf Rosen ruhte,
Zur Lagerstatt.

Und machet ihm die Welt zum offnen Grabe,
Das seiner harrt.
Unglücklich, wer von ihrem Zauberstabe
Getroffen ward!

Fleuch tiefer in die grünen Finsterniße,
O Sängerin,
Und spend im Nest der treuen Gattin Küße,
Fleuch hin, fleuch hin!

Confirmed with Ludwig Christoph Heinrich Hölty's Sämtliche Werke kritisch und chronologisch herausgegeben von Wilhelm Michael, Erster Band, Weimar, Gesellschaft der Bibliophilen, 1914, page 110, and with Gedichte von Ludewig Heinrich Christoph Hölty. Nebst Briefen des Dichters herausgegeben von Karl Halm. Leipzig: F.A. Brockhaus, 1869, pages 172-173.

Note: Hölty left this poem unfinished, the three stanzas following the gap refer to something unwritten. Johann Heinrich Voß made use of some verses of this torso to create a poem of his own ("An die Nachtigall") which he included in his editions of Hölty's poems (see below).


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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  • Also set in German (Deutsch), a translation by Johann Heinrich Voss (1751 - 1826) , "An die Nachtigall" [an adaptation] CAT DUT ENG FRE ; composed by Johannes Brahms, Jan Bedřich Kittl, Franz Peter Schubert, Gustav Trautmann.

Research team for this text: Alberto Pedrotti , Peter Rastl [Guest Editor]

This text was added to the website: 2009-10-14
Line count: 26
Word count: 126