Ständchen
Language: German (Deutsch) 
Liedchen!  --  hebe dich auf Schwingen  
Einer sanften Melodie! 
Immer leiser sollst du klingen, 
Wie in ferner Harmonie! 
Sollst nicht rauschen  --  sollst nicht klagen! 
Nicht des Schlummers Störer sein! 
Aber flüsternd darfst du sagen: 
Ewig!  --  ewig!  --  denkt er Dein!  

Haucht der Zephyr doch so linde 
Jetzt der Flur den Abschiedskuß: 
Tragt, ihr stillen Abendwinde, 
Tragt ihn hin zu ihr als Gruß. 
Und ihr Fenster seh' ich offen, 
Eng umstrickt mit grüem Wein; 
All' mein Sehnen  --  all' mein Hoffen, 
Schließt das kleine Stübchen ein!  

Was im weiten Weltenraume 
Ihrer Wünsche fernes Ziel, 
Werde freundlich heut' im Traume 
Ihr ein kindlich frohes Spiel. 
Grüne Auen in der Ferne, 
Bunte Vogel in der Luft; 
Und das hellste Licht der Sterne 
Und der Blumen zartster Duft!  

Doch der Schlummergott deckt leise 
Dich mit dichterm Flore zu  --  
Aus dem bunten Zauberkreise 
Gingst du ein  --  zu sanfter Ruh'. 
Soll mein Liedchen nun verklingen, 
Bitt' ich um das eine dich! 
Will dich gern in Schlummer singen,  
Aber wachend  --  denk' an mich!  

Confirmed with Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt, neunzehnter Jahrgang, ed. by J. v. Portenschlag, Wien: A. Strauß, 1827. Appears in Donnerstag 12 July 1827, no. 83, page 330.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2020-01-24
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