Das Leben is der Welle gleich
Language: German (Deutsch) 
Das Leben is der Welle gleich 
Die in dem Thal entspringt,  
Noch rein und sanft aus ihrem Teich 
Mit süßem Wallen dringt.  

Froh hüpft sie über reinen Sand 
Mit leisem Plätschern hin, 
Küßt überall den grünen Rand, 
Und will und kann nicht flieh'n.  

Dann stürmt sie schnell zum Wasserfall 
Der Leidenschaften hin,  
Erhebt sich, koset überall, 
Wo frische Veilchen blühn.  

Drauf schleicht sie stiller durch das Rohr,  
Das oft hernieder winkt,  
Und öfters schnell durch Dorn und Moor 
Auf seine Welle sinkt.  

Bald kommt ein Wellchen und vereint 
Mit seiner Welle sich, 
Und flüstert zärtlich, halbgeweint: 
Wie lieb', wie lieb' ich dich!  

Dann schließen kleine Wellchen sich 
An diese Wellen an, 
Und hüpfen froh und wonniglich 
Des Bächleins krumme Bahn.  

Vom langen Kampf ermüdet geh'n 
Sie matt den Rand hinan, 
Und kommen, eh sie sich's versehn 
Zum großen Ozean.  

About the headline (FAQ)

Confirmed with Taschenbuch für häusliche und gesellschaftliche Freuden, ed. by Ludwig Lang, Frankfurt am Main: Philipp Heinrich Guilhauman, 1800, pages 113 - 114.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2020-11-19
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