Auf eine Unbekannte
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): ENG FRE
Die Dämmerung war längst hereingebrochen,
Ich hatt dich nie gesehn, du tratst heran,
Da hat dein Mund manch mildes Wort gesprochen
In heil'gem Ernst, der dir mein Herz gewann.
Still, wie du nahtest, hast du dich erhoben
Und sanft uns allen gute Nacht gesagt,
Dein Bild war tief von Finsternis umwoben,
Nach deinem Namen hab ich nicht gefragt.

Nun wird mein Auge nimmer dich erkennen,
Wenn du auch einst vorübergehst an mir,
Und hör' ich dich von fremder Lippe nennen,
So sagt dein Name selbst mir nichts von dir.
Und dennoth wirst du ewig in mir leben,
Gleich wie ein Ton lebt in der stillen Luft,
Und kann ich Form dir und Gestalt nicht geben,
So reißt auch keine Form dich in die Gruft.

Das Leben hat geheimnisvolle Stunden,
Da tut selbstherrschend die Natur sich kund;
Da bluten wir und fühlen keine Wunden,
Da freu'n wir uns und freu'n uns ohne Grund.
Vielleicht wird dann zu flüchtigstem Vereine
Verwandtes dem Verwandten nah gerückt,
Vielleicht, ich schaudre, jauchze oder weine,
Ist's dein Empfinden, welches mich durchzückt.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (John H. Campbell) , "To an unknown", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Sur une inconnue", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission


Research team for this text: John H. Campbell , Malcolm Wren [Guest Editor]

This text was added to the website between May 1995 and September 2003.
Line count: 24
Word count: 175