Wie mächtig zieht mich's immer wieder
Language: German (Deutsch) 
Wie mächtig zieht mich's immer wieder,
Du alter Rheinstrom, hin zu Dir! 
Weit schöner als die schönsten Lieder
Zu Deinem Ruhme, scheinst Du mir, 
    In Deiner Berge Kranze, 
    In Deiner Ufer Pracht,
    In Deiner Wogen Glanze
    Bei Tage und bei Nacht! 

Durch manches Land bin ich gezogen
An Schönheit und an Wundern reich,
Sah manchen stolzen Stromes Wogen, 
Doch keinen Dir an Zauber gleich:
    Hoch ragen aus der Runde 
    Viel graue Burgen her,
    Aus Deinem Wellenmunde
    Klingt uralt heilige Mär.

Du weißt von unheilvollen Tagen, 
Von Kämpfen alt- und neuer Zeit,
Von Haß und Zwietracht viel zu sagen,
Doch auch von deutscher Herrlichkeit.
    Es steigt ein Segensbrodem
    Aus Deinen Rebengau'n,
    Du athmest Geisterodem
    Und lehrst Verborg'nes schau'n. 

So hilf die schwererkämpften Güter 
Uns wahren alter heil'ger Strom! 
Sei unsrer Macht und Ehren Hüter
Und mache frei Dein Volk von Rom,
    Daß man bei Deinem Weine
    Aufjubelnd singen mag: 
    Die Nacht versank im Rheine
    Und hell erglänzt der Tag!

About the headline (FAQ)

Confirmed with Einkehr und Umschau. Neueste Dichtungen von Friedrich Bodenstedt, Fünfte, unveränderte Auflage, Jena, Hermann Costenoble, 1880, pages 19-20.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2016-08-02
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