by Johann Friedrich Rochlitz (1769 - 1842)

Hinweg mit Gram und Sorgen
Language: German (Deutsch) 
Hinweg mit Gram und Sorgen,
So lang das Herz erwarmt!
Wer dies noch hat geborgen,
Der ist noch nicht verarmt.
Ihm raub' ein wüth'ger Krieg,
Was mühsam kaum erworben;
Sein Herz ist nicht gestorben,
Und so hat er den Sieg. 

Er sieht die Zeiten brechen,
Das Vaterland versinkt;
Sein Zorn darf selbst nicht sprechen,
Auch Blicke sind verdingt;
Doch lebt nur noch das Herz,
Und schlägt in edle Flammen
An Freundesbrust zusammen,
Erhebt, erquickt auch Schmerz. 

Woran sich Edle laben,  
Was schön das Leben schmückt  -- 
Der Musen holde Gaben, 
Hat Mars in Staub gedrückt:  
Doch stirbt's im Herzen nie;  
Und will die Welt erblinden,
So wird Dein still Empfinden
Zur schönsten Poesie.

Die Faust hat jetzt nur Ehren; 
Und wer durch schnödes Gold
Dem schnöndern Trieb kann wehren,
Nur dem sind Fürsten hold.
Doch bleiben Herzen rein,
So bleibt der Stamm, der gute,
Für Kinder, groß am Muthe:
Und dann wird's besser sein. 

Was Glück uns einst gegeben,
Nimmt Glück nun wieder hin; 
Doch über's Erdenleben
Reicht aus ein edler Sinn. 
Lauft gegen diesen an
Mit Hohn und Schmach und Waffen:   
Frei wird er sich entraffen
Auf höh're Himmelsbahn.    

Drum weg mit Gram und Sorgen,
So lang das Herz erwarmt!
Dies hab' ich mir geborgen,
Und bin so nicht verarmt. 
Nimm' alles, wüth'ger Krieg,
Was mühsam kaum erworben:
Mein Herz ist nicht gestorben,
Und so bleibt mein der Sieg!

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Confirmed with Selene: zugleich als Fortsetzung des Journals für deutsche Frauen, zehntes Heft, Leipzig: bei G. J. Göschen, 1807, pages 92 - 94.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2017-10-12
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