by Friedrich Hölderlin (1770 - 1843)

Diotima
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): ENG
Du schweigst und duldest, denn sie verstehn dich nicht,
  Du edles Leben! siehest zur Erd' und schweigst
    Am schönen Tag, denn ach! umsonst nur
      Suchst du die Deinen im Sonnenlichte,

Die Königlichen, welche, wie Brüder doch,
  Wie eines Hains gesellige Gipfel sonst
    Der Lieb' und Heimat sich und ihres
      Immerumfangenden Himmels freuten,

Des Ursprungs noch in tönender Brust gedenk;
  Die Dankbarn, sie, sie mein' ich, die einzigtreu
    Bis in den Tartarus hinab die Freude
      Brachten, die Freien, die Göttermenschen,

Die zärtlichgroßen Seelen, die nimmer sind;
  Denn sie beweint, so lange das Trauerjahr
    Schon dauert, von den vor'gen Sternen
      Täglich gemahnet, das Herz noch immer

Und diese Totenklage, sie ruht nicht aus.
  Die Zeit doch heilt. Die Himmlischen sind jetzt stark,
    Sind schnell. Nimmt denn nicht schon ihr altes
      Freudiges Recht die Natur sich wieder?

Sieh! eh noch unser Hügel, o Liebe, sinkt,
  Geschiehts, und ja! noch siehet mein sterblich Lied
    Den Tag, der, Diotima! nächst den
      Göttern mit Helden dich nennt, und dir gleicht.

Confirmed with Friedrich Hölderlin, Sämtliche Gedichte und Hyperion, Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1999, page 251.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set in a modified version by Hans Erich Apostel.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Diotima", copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

Text added to the website between May 1995 and September 2003.
Last modified: 2019-02-13 19:39:23
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