Attention! Some of this material is not in the public domain.
It is illegal to copy and distribute our copyright-protected material without permission. It is also illegal to reprint copyright texts or translations without the name of the author or translator.
To inquire about permissions and rates, contact Emily Ezust at licenses@email.lieder.example.net
If you wish to reprint translations, please make sure you include the names of the translators in your email. They are below each translation.
Note: You must use the copyright symbol © when you reprint copyright-protected material.
Ha! Feierlich! ein würdiger Anfang! afrikanisch feierlich! eines Löwen würdig oder eines moralischen Brüllaffen... – aber nichts für euch, ihr allerliebsten Freundinnen, zu deren Füßen mir, einem Europäer unter Palmen, zu sitzen vergönnt ist. Sela. Wunderbar wahrlich! Da sitze ich nun, der Wüste nahe und bereits so ferne wieder der Wüste, auch in nichts noch verwüstet: nämlich hinabgeschluckt von dieser kleinen Oasis – sie sperrte gerade gähnend ihr liebliches Maul auf, das wohlriechendste aller Mäulchen: da fiel ich hinein, hinab, hindurch – unter euch, ihr allerliebsten Freundinnen! Sela. Heil, Heil jenem Walfische, wenn er also es seinem Gaste wohlsein ließ! – ihr versteht meine gelehrte Anspielung?... Heil seinem Bauche, wenn es also ein so lieblicher Oasis-Bauch war, gleich diesem: was ich aber in Zweifel ziehe. Dafür komme ich aus Europa, das zweifelsüchtiger ist als alle Eheweibchen. Möge Gott es bessern! Amen. Da sitze ich nun, in dieser kleinsten Oasis, einer Dattel gleich, braun, durchsüßt, goldschwürig, lüstern nach einem runden Mädchen-Maule, mehr aber noch nach mädchenhaften eiskalten schneeweißen schneidigen Beißzähnen: nach denen nämlich lechzt das Herz allen heißen Datteln. Sela. Den genannten Südfrüchten ähnlich, allzuähnlich liege ich hier, von kleinen Flügelkäfern umtänzelt und umspielt, insgleichen von noch kleineren törichteren boshafteren Wünschen und Einfällen, – umlagert von euch, ihr stummen, ihr ahnungsvollen Mädchen-Katzen Dudu und Suleika – umsphinxt, daß ich in ein Wort viel Gefühle stopfe (– vergebe mir Gott diese Sprachsünde!...) – sitze hier, die beste Luft schnüffelnd, Paradieses-Luft wahrlich, lichte leichte Luft, goldgestreifte, so gute Luft nur je vom Monde herabfiel, sei es aus Zufall oder geschah es aus Übermute? wie die alten Dichter erzählen. Ich Zweifler aber ziehe es in Zweifel, dafür komme ich aus Europa, das zweifelsüchtiger ist als alle Eheweibchen. Möge Gott es bessern! Amen. Diese schönste Luft atmend, mit Nüstern geschwellt gleich Bechern, ohne Zukunft, ohne Erinnerungen, so sitze ich hier, ihr allerliebsten Freundinnen, und sehe der Palme zu, wie sie, einer Tänzerin gleich, sich biegt, und schmiegt und in der Hüfte wiegt – man tut es mit, sieht man lange zu... einer Tänzerin gleich, die, wie mir scheinen will, zu lange schon, gefährlich lange immer, immer nur auf einem Beinchen stand? – da vergaß sie darob, wie mir scheinen will, das andre Beinchen? Vergebens wenigstens suchte ich das vermißte Zwillings-Kleinod – nämlich das andre Beinchen – in der heiligen Nähe ihres allerliebsten, allerzierlichsten Fächer- und Flatter- und Flitter-Röckchens. Ja, wenn ihr mir, ihr schönen Freundinnen, ganz glauben wollt: sie hat es verloren... Hu! Hu! Hu! Hu! Huh!... Es ist dahin, auf ewig dahin, das andre Beinchen! O schade um dies liebliche andre Beinchen! Wo – mag es wohl weilen und verlassen trauern, dieses einsame Beinchen? In Furcht vielleicht vor einem grimmen gelben blondgelockten Löwen-Untiere? oder gar schon abgenagt, abgeknappert – erbärmlich! wehe! wehe! abgeknabbert! Sela. O weint mir nicht, weiche Herzen! Weint mir nicht, ihr Dattel-Herzen! Milch-Busen! Ihr Süßholz-Herz- Beutelchen! Sei ein Mann, Suleika! Mut! Mut! Weine nicht mehr, bleiche Dudu! – Oder sollte vielleicht etwas Stärkeres, Herz-Stärkendes hier am Platze sein? ein gesalbter Spruch? ein feierlicher Zuspruch?... Ha! Herauf, Würde! Blase, blase wieder, Blasebalg der Tugend! Ha! Noch einmal brüllen, moralisch brüllen, als moralischer Löwe vor den Töchtern der Wüste brüllen! – Denn Tugend-Geheul, ihr allerliebsten Mädchen, ist mehr als alles Europäer-Inbrunst, Europäer-Heißhunger! Und da stehe ich schon, als Europäer, ich kann nicht anders, Gott helfe mir! Amen! Die Wüste wächst: weh dem, der Wüsten birgt! Stein knirscht an Stein, die Wüste schlingt und würgt. Der ungeheure Tod blickt glühend braun und kaut –, sein Leben ist sein Kaun... Vergiß nicht, Mensch, den Wollust ausgeloht: du – bist der Stein, die Wüste, bist der Tod...
P. Hersant sets stanzas 10-11
About the headline (FAQ)
Confirmed with Friedrich Nietzsche: Werke in drei Bänden. München 1954, Band 2, pages 1243-1247.
Text Authorship:
- by Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900), "Die Wüste wächst: weh dem, der Wüsten birgt...", appears in Dionysos-Dithyramben, in Die Wüste wächst: weh dem, der Wüsten birgt... [author's text checked 1 time against a primary source]
Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):
- by Philippe Hersant (b. 1948), "Désert", 2002, stanzas 10-11 [ men's chorus and alto flute ], Éditions Durand [sung text checked 1 time]
Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Désert", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
Research team for this page: Emily Ezust [Administrator] , Joost van der Linden [Guest Editor]
This text was added to the website: 2026-04-19
Line count: 147
Word count: 601
[... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ...] [... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ...] [... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ...] [... ... ... ... ... ... ... ... ...] [... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ...] [... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ...] [... ... ... ... ... ... ...] [... ... ... ... ... ... ...] [... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ...] Le désert grandit : malheur à celui qui contient les déserts ! La pierre crisse contre la pierre, le désert entoure et étrangle. La mort effrayante regarde brûlante et brune et mâche, sa vie est sa mastication... N'oublie pas, homme, consumé par la volupté : tu es la pierre, le désert, tu es la mort...
Text Authorship:
- Translation from German (Deutsch) to French (Français) copyright © 2012 by Guy Laffaille, (re)printed on this website with kind permission. To reprint and distribute this author's work for concert programs, CD booklets, etc., you may ask the copyright-holder(s) directly or ask us; we are authorized to grant permission on their behalf. Please provide the translator's name when contacting us.
Contact: licenses@email.lieder.example.net
Based on:
- a text in German (Deutsch) by Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900), "Die Wüste wächst: weh dem, der Wüsten birgt...", appears in Dionysos-Dithyramben, in Die Wüste wächst: weh dem, der Wüsten birgt...
This text was added to the website: 2012-10-26
Line count: 147
Word count: 53