by Eduard Mörike (1804 - 1875)
An eine Äolsharfe
Language: German (Deutsch)
Angelehnt an die Efeuwand Dieser alten Terrasse, Du, einer luftgebor'nen Muse Geheimnisvolles Saitenspiel, Fang' an, Fange wieder an Deine melodische Klage! Ihr kommet, Winde, fern herüber, Ach! von des Knaben, Der mir so lieb war, Frischgrünendem Hügel. Und Frühlingsblüten unterwegs streifend, Übersättigt mit Wohlgerüchen, Wie süß, wie süß bedrängt ihr dies Herz! Und säuselt her in die Saiten, Angezogen von wohllautender Wehmut, Wachsend im Zug meiner Sehnsucht, Und hinsterbend wieder. Aber auf einmal, Wie der Wind heftiger herstößt, Ein holder Schrei der Harfe Wiederholt mir zu süßem Erschrecken Meiner Seele plötzliche Regung, Und hier, die volle Rose streut geschüttelt All' ihre Blätter vor meine Füße!
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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]
Note: the poem has the following epigraph, a quotation from Horace:
Tu semper urges fleblilibus modis Mysten ademptum: nec tibi Vespere Surgente decedunt amores, Nec rapidum fugiente Solem.
Text Authorship:
- by Eduard Mörike (1804 - 1875), from Gedichtsammlung, first published 1838 [author's text checked 1 time against a primary source]
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