by Friedrich Rückert (1788 - 1866)
Ich sehe wie in einem Spiegel
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Language: German (Deutsch)
Ich sehe wie in einem Spiegel In der Geliebten Auge mich; Gelöst vor mir ist jedes Siegel, Das mir verbarg mein eignes Ich. Durch deinen Blick ist mir durchsichtig Mein Herz geworden und die Welt, Was in ihr wirklich und was nichtig, Ist vor mir ewig aufgehellt. So wie durch meinen Busen gehet Hier deines Herzens stiller Schlag, So fühl' ich, was die Schöpfung drehet, Vom ersten bis zum jüngsten Tag. Die Welten dreh'n sich all' um Liebe, Lieb' ist ihr Leben, Lieb' ihr Tod; Und in mir wogt ein Weltgetriebe Von Liebeslust und Liebesnoth. Der Schöpfung Seel' ist ew'ger Frieden, Ihr Lebensgeist ein steter Krieg. Und so ist Friede mir beschieden, Sieg über Tod und Leben, Sieg! Ich spreche still zur Lieb' im Herzen, Wie Blume zu der Sonne Schein: Du gib mir Lust, du gib mir Schmerzen! Dein leb' ich und ich sterbe dein!
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- by Friedrich Rückert (1788 - 1866), no title, appears in Lyrische Gedichte, in 3. Liebesfrühling, in 1. Erster Strauß. Erwacht, no. 14 [author's text checked 1 time against a primary source]
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Researcher for this page: Alberto Pedrotti
This text was added to the website between May 1995 and September 2003.
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